Karl Freiherr von Schwarz, Plan für die Erweiterung der Stadt Salzburg, 1862

Als der britische Komponist und Musikverleger Vincent Novello und seine Frau Mary auf ihrer „Mozart Pilgrimage“ 1829 nach Salzburg kamen, wies im öffentlichen Raum nichts auf den bedeutendsten Sohn der Stadt hin. Erst 1842 wurde das Mozartdenkmal eingeweiht, und 1856, anlässlich des 100. Geburtstags von Wolfgang Amadeus Mozart, forderte man erstmals die Erbauung eines Gebäudes für musikalische Zwecke, genannt Mozarteum.

1887 sprach sich der Dirigent Hans Richter für Mozart-Festspiele aus. Wie Wagner in Bayreuth sollte Mozart ein Festspielhaus in Salzburg bekommen. Mit der Planung wurden Ferdinand Fellner und Hermann Helmer beauftragt. Die Großarchitekten des Theaterbaus lieferten einen Entwurf im Stil der Neorenaissance, der auf dem Mönchsberg realisiert werden sollte.

1917 verfasste Max Reinhardt – neben Hermann Bahr, Hugo von Hofmannsthal und Richard Strauss die zentrale Gründungsfigur der Salzburger Festspiele – die Denkschrift zur Errichtung eines Festspielhauses in Hellbrunn. Er sehnte sich nach Festspielen „[…] abseits vom Alltags-leben und an einem Orte, der durch natürliche und künstlerische Schönheit so ausgezeichnet erscheint, dass die Menschen in den sommerlichen Ruhetagen, befreit von ihren Sorgen und Mühen, gern hinpilgern.“ Der junge Salzburger Architekt Martin Knoll schlug 1918 hingegen ein Festspielhaus auf dem Bürglstein vor, das er im Künstlerhaus der Öffentlichkeit vorstellte. Hermann Bahr wiederum wollte Henry van de Velde für den Bau eines Festspielhauses gewinnen. 1920 schließlich schrieb die Festspielhaus-Gemeinde einen Wettbewerb aus, zu dem Josef Hoffmann, Wunibald Deininger und Hans Poelzig geladen waren. Für Poelzigs Projekt wurde 1922 im Beisein des Bundespräsidenten Dr. Michael Hainisch im Schlosspark von Hellbrunn noch der Grundstein gelegt. Reinhardt soll sich nach dem Festakt mit den Worten „So. Das kommt nun niemals zustande“ verabschiedet haben. Eduard Hütter adaptierte schließlich im Jahr 1925 die 1841 errichtete Winterreitschule für die Festspiele. Ein Jahr später baute Clemens Holzmeister dieses Haus um und erweiterte es in den Jahren 1937/38. Den Nationalsozialisten war es ein Dorn im Auge; sie träumten von einer Akropolis aus Gauhalle, Kaderschule, Freiluftarena für Auf-märsche und Festspielhaus auf dem Kapuzinerberg. Diese Anlage samt dem gleichzeitig auf dem Mönchsberg geplanten Armeekommando hätte Salzburgs Stadtbild auf immer zerstört.

Bereits 1949 wurde ein Wettbewerb für ein Haus der Musikolympiade auf dem Mönchsberg ausgeschrieben, an dem sogar Clemens Holzmeister teilnahm. Ein Jahr später legte er einen Entwurf für ein großes Festspielhaus auf dem Rosenhügel vor, welcher gerade wieder einmal zur Grundsteinlegung reichte.Eine echte Spielstätte für Mozarts Opern – also ein Haus, das die Dimensionen der Mozartzeit mit 700 bis 800 Sitzplätzen nicht übersteigt – hat Friedrich Kurrent vorgeschlagen; gebaut wurde es nicht.

Jabornegg & Pálffy, Jedermann-Bühne, mobile Überdachung des Domplatzes, 2004

Der Theaterpublizist Andres Müry nannte den „Jedermann“ die „Cash-Cow“ der Salzburger Festspiele. Das Stück, das seit 1920 auf dem Domplatz aufgeführt wird, zählt zu den erfolgreichsten Produktionen der Theater-geschichte. Sitzplätze sind teils auf Jahre ausgebucht. Der Ort hat nur ein Problem: das Salzburger Wetter.

Für den nicht seltenen Fall, dass es aus Kübeln schüttet, muss für die Aufführungen des Jedermann stets das Große Festspielhaus als Ersatz-spielort freigehalten werden – eine kostspielige Sache. Deswegen lancierten die Festspiele Anfang 2000 eine Faltkonstruktion, deren kolportierte Kosten von günstig dargestellten 1,5 Millionen Euro ein Sponsor tragen sollte. Nicht ganz klar war, von welchem Projekt man sprach, denn es buhlten damals gleich zwei Entwürfe um die Gunst der Entscheidungsträger: das vom Linzer Architekten Wolfgang Kaufmann vorgestellte „Cabrio für Jedermann“ und die hier präsentierte Überdachung von Jabornegg & Pálffy.

Die Wiener Architekten hatten ein sehr einfaches und in Oberammergau bereits erprobtes Konzept. Ihre Überdachung in der Höhe des ersten Hauptgesimses der Domfassade überragt die angrenzenden Gebäude des Platzensembles, sodass ein nicht einengender Abschluss nach oben entsteht. Das Dachfaltwerk kann auf Schienen in die Parkposition an der Wand des Hofbogengebäudes geführt werden. Bei Schlechtwetter, aber auch zur Beschattung bei tief stehender Abendsonne kann die einer Zieh-harmonika vergleichbare Konstruktion ausgefahren werden. Wenngleich der Ansatz von Jabornegg & Pálffy durchaus machbar erschien, so blieben doch wesentliche Fragen ungeklärt. Der Jedermann am Domplatz lebt vom Spiel unter freiem Himmel, und wie das Festspielhaus kein adäquater Ersatz dafür ist, so ist es auch der überdachte Domplatz nicht. Die Verantwortlichen haben das rechtzeitig erkannt und das Projekt ad acta gelegt.

Friedrich Kurrent, Haus für Mozart im Bruderhof, 1996–2000

Friedrich Kurrent griff die Idee, die Festspiele in der rechten Stadthälfte zu etablieren, mit seinem Entwurf für ein Haus für Mozart auf dem Areal des Bruderhofs wieder auf. Er bot eine Alternative zur Fixierung der Festspiele auf den Bezirk in der Hofstallgasse an.

Die Diskussion um ein eigenes Haus für Mozart, das Salzburg in der Pflege seiner Musik eine Vorrangstellung verleihen sollte, wurde im Vorfeld des Mozartjahrs 2006 (250. Geburtstag) geführt. Bereits 1996 veranstalteten die Salzburger Nachrichten ein Symposium, bei dem Rolf Liebermann, Mozartexperte, Komponist und ehemaliger Opernintendant, ein kleines, 700, maximal 800 Sitzplätze fassendes Opernhaus aus Holz forderte. Dieses ideale Haus dürfte die Dimension der Opernhäuser der Mozartzeit nicht überschreiten und sollte selbst ein Klangkörper sein. Kurrent verband dieses Konzept mit der eingangs erwähnten Überlegung und fand im sogenannten Bruderhof beim St.-Sebastians-Friedhof den idealen Ort dafür. Sein Entwurf, der auf eine aufwändige Bühnentechnik verzichtet, orientiert sich an der Form des menschlichen Ohrs. Gemäß dem Liebermannschen Diktum ist es ein Holzbau. Dieser spartanische Klangkörper stellt die Musik vor effektvolle Inszenierungen von Mozarts Opern.Letztlich baute Wilhelm Holzbauer das Kleine Festspielhaus zum Haus für Mozart um. Anstatt der 800 weist der termingerecht 2006 eröffnete Bau stolze 1 500 Sitzplätze auf. Die wirtschaftlichen Interessen eines industrialisierten Kulturbetriebs haben über die Einfachheit und selbst über die Substanz des von Clemens Holzmeister geplanten Hauses triumphiert.

Clemens Holzmeister, Ein Musiktheater am Rosenhügel, 1950

In der unmittelbaren Nachkriegszeit verfolgte der Schriftsteller Hermann Heinz Ortner das Projekt weltweiter Musikwettkämpfe. Wenn auch dieses reichlich absurde Vorhaben scheiterte, so nährte es indirekt die Überzeugung, dass die Festspiele einen großzügigen Theaterneubau für den gewachsenen Betrieb brauchten.

Ortner war bereits 1933 der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) beigetreten und galt nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs als politisch schwer belastet. Als Mitarbeiter der Stelle für Wiederaufbau der Fremdenverkehrswirtschaft Österreichs und mit hohen Geldbeträgen der Stadt Salzburg unterstützt, gelang es ihm, höchste politische Kreise für seine Idee einer „Musikolympiade“ zu begeistern. Ein monströser Theaterbau mit 3 000 Plätzen sollte auf dem Mönchsberg entstehen. Neun Architekten, darunter Clemens Holzmeister, folgten Ortners Einladung und stellten Projekte für ein Leser-Preisausschreiben zur Verfügung, die in seiner Zeitschrift Olympia 1950 publiziert wurden. Die geplante Mönchsberg-verbauung lieferte in Salzburg, wie der Publizist Paul Becker berichtet, „Zündstoff für heftige Diskussionen“, sodass Ortner noch im selben Jahr vorschlug, das Haus der Musikolympiade am Rosenhügel, anstelle des durch Bomben zerstörten Kurhauses, zu errichten. Er erhielt noch im selben Jahr vom Unterrichtsministerium den direkten Auftrag für die Planung eines großen Musiktheater-Komplexes. Wieder einmal wurde ein Grundstein gelegt, den man später diskret entfernte.

Holzmeister selbst beschrieb diesen Entwurf als die Summe seines Wissens aus dem Theaterbau. Die Ansicht des Bühnenhauses lässt an Vorbilder aus dem byzantinischen Kirchenbau denken und erscheint als Reminiszenz an seine Türkei-Aufenthalte. Als kalkulierte Inszenierung sollte man die drei Portale an der Hinterbühne des Hauses öffnen können, sodass sich für das Publikum der berühmte Postkartenblick auf Mirabellgarten, Altstadt und Festung eröffnet hätte. Letztlich war das Projekt eine Art Vorspiel für Holzmeisters Umbau der Hofstallungen zum Großen Festspielhaus (1956–60). Bemerkenswert ist, dass alle Projekte, sei es auf dem Mönchsberg, am Bürglstein, in Hellbrunn, auf dem Kapuzinerberg oder eben dem Rosenhügel, scheiterten. Nicht der Bezug zur Natur, sondern die „Stadt als Bühne“ hat sich als Konzept durchgesetzt.

Martin Knoll, Festspielhausprojekt, ca. 1921

Mit gerade einmal dreißig Jahren legte Martin Knoll, der einer Baumeister-Dynastie entstammte, den Entwurf für ein Festspielhaus am Bürglstein vor und präsentierte die Pläne 1918 im Salzburger Künstlerhaus.

Der junge Martin Knoll, der in München studiert hatte und zur Schule Otto Wagners in Wien Kontakte knüpfte, ist in seinem ersten akademischen Entwurf – der hier nicht ausgestellt ist – noch in den Fesseln der Vergangenheit gefangen. Mit dem Bau im Stil des Neoklassizismus denkt der Planer an die Klientel einer Welt von gestern. Es ist aber gar nicht der Entwurf selbst, sondern der ausgewählte Bauplatz, der Interesse erweckt: der Bürglstein. Zu Anfang des 19. Jahrhunderts war der Aussichtspunkt mit Blick auf die Stadt zu einer Pilgerstätte der Romantiker geworden. In dieser historischen Bedeutung des Orts – seiner Nähe bei gleichzeitiger Distanz zur Stadt – erkannte Knoll den idealen Platz für ein Festspielhaus. Eine künstlerische Explosion zeigt ein zweiter, vermutlich um 1921 entstandener Entwurf von Knoll, der in einer einzigen kolorierten Graphik überliefert ist. Er entstand wohl in Konkurrenz zu Poelzigs Entwurf für Hellbrunn. Zwei mächtige Skulpturen brechen mit der Konvention, die Bauplastik der Architektur als dekorative Applikationen unterzuordnen. Aber nicht nur die dominanten Skulpturen, auch die expressionistische Farbigkeit verweisen auf ein Gesamtkunstwerk, das sich in den Dienst der Musik stellt und diese als Höhepunkt der europäischen Kultur feiert.

Podiumsdiskussion „Glanz und Elend des Wettbewerbes“

Die meisten der in der Ausstellung Ungebautes Salzburg gezeigten Projekte, aus der jüngeren Vergangenheit praktisch alle, gingen aus Wettbewerben hervor. Der Architektenwettbewerb spielt im Denken über die Stadt eine enorme Rolle. Ohne diese Konkurrenzen mit ihren immer ausgefeilteren Programmen und realistischeren Darstellungen, gäbe es keine Diskussion über die Zukunft. Sie prägen noch lange vor dem Spatenstich die Vorstellung über die das Aussehen eines Orts oder dem Potenzial einer ganzen Stadt.

Doch es gibt auch eine Kehrseite dieser Medaille. Der Wettbewerb kostet die Architektinnen und Architekten enorm viel Geld manchmal aber auch ihre Reputation, wenn ein Projekt aus Kostengründen zu Grabe getragen, wenn sie in öffentlichen Debatte für ihre Ideen angeprangert werden oder gar als willfährige Handlanger der Auftraggeber hingestellt werden. Zahlt es sich aus an Wettbewerben teilzunehmen, gibt es Alternativen zu Selbstausbeutung? Das sind Fragen, die in Rahmen dieser Podiumsdiskussion beantwortet werden sollten.

Diskutanten:
– Erich Wenger, Architekt, Land Salzburg, Abt. Hochbau
– Michael Anhammer, Architekt, Vorsitzender des Wettbewerbsausschusses der Kammer der Architekten und Ingenieurskonsulenten für Wien, Niederösterreich und Burgenland
– Rainer Noldin, Architekt, Wettbewerbskoordinator Kammer der Architekten und Ingenieurskonsulenten Tirol
– Gabu Heindl, Architektin, BIG-Beirat
– Ulrike Schartner, Architektin, gaupenraub +/-

Moderation: Gerhard Kopeinig, (Architekt)

Podiumsdiskussion „Glanz und Elend des Wettbewerbes“
Mittwoch, 29. April 2015, 18:30
Ort: Museum der Moderne am Mönchsberg, 5020 Salzburg
Eintritt: frei

Die Entfesselung der Stadt – die Stadterweiterung des 19. Jahrhunderts und deren Ende

In diesem Kapitel wird mit zwei Projekten – dem des Eisenbahnunternehmers Karl Schwarz für die Stadterweiterung Salzburgs und jenem für einen zweiten Tunnel durch den Mönchsberg – ein halbes Jahrhundert Stadtplanungsgeschichte umrissen.

Den bürgerlichen Liberalismus des 19. Jahrhunderts verbindet mit der Stadt Salzburg eine zwiespältige Geschichte. Erstmals erweiterte man die Stadt nicht einfach nur, indem man die Verteidigungswälle um eine Schicht nach außen schob, sondern nun fielen die Fortifikationen, die man als Hemmung bürgerlicher Freiheiten und als eine obrigkeitsstaatliche Beschränkung empfand, gänzlich. Während in Graz oder Wien das Militär die Wälle den Kommunen un-entgeltlich überließ, wollte man in Salzburg dafür finanziell entschädigt werden. Die Geldmittel der Stadt waren jedoch knapp, und so war es der bürgerliche, später geadelte Eisenbahn-unternehmer Karl (Freiherr von) Schwarz, der sich der Salzburger Probleme annahm. Mit dem 1860 feierlich eröffneten Bahnhof hatte er die Stadt an das Eisenbahnnetz angebunden. Man erhoffte sehnlichst einen wirtschaftlichen Aufschwung für das seit dem Ende der Selbst-ständigkeit 1806 darbende Land und die zu einem Provinznest herabgesunkene einstige Residenzstadt.

Die anschließende Phase des liberalen Aufbruchs erfuhr mit dem Zusammenbruch der Wiener Börse im Jahr der Wiener Weltausstellung 1873 eine Zäsur.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts ist das bürgerlich-liberale Selbstverständnis zerbrochen. Der Kampf um das Linzer Tor markiert diesen Bruch in der Stadtgeschichte. Seinem Abriss im Jahr 1894 ging ein gehässiger, in Zeitungen und im Gemeinderat ausgetragener Streit voran. Zwar setzten sich die wirtschaftsliberalen Kräfte gegen die Bewahrer durch, doch ihr Triumph war teuer erkauft.

Das Bewusstsein, dass nicht nur Kirchen und Paläste, sondern die Struktur der Stadt ihren Denkmalwert bestimmen, war noch lange nicht gegeben. Dafür stehen die Stadtregulierungs-projekte, die in der Altstadt kaum einen Stein auf dem anderen gelassen hätten; etwa das von Architekt Franz Drobny (1902), jenes von den anerkannten Städtebau-Koryphäen Karl Mayreder / Karl Hofmann (1905), die in mehreren Varianten vorliegenden Regulierungsprojekte des Stadtbauamts und nicht zuletzt der gescheiterte Plan für eine zweite Tunnelröhre durch den Mönchsberg.

Große Visionen, lokale Ansichten

Führung durch die Ausstellung Ungebautes Salzburg mit Norbert Mayr, Kunsthistoriker und Architekturpublizist

Im Gegensatz zu vielen gebauten Wohnanlagen zeigen ausgewählte Siedlungsprojekte, welch hohe Qualitäten für Salzburgs Bewohner vor und nach dem 2. Weltkrieg möglich gewesen wären. Die Universitätsstudien Leopoldskron/Nonntal von Roland Rainer und Hellbrunner Allee von Gerhard Garstenauer führten zu intensiven Debatten und zum Gesamtkonzept Altstadtuniversität+Freisaal. Das geniale Festspielhausensemble für den Schlosspark von Hellbrunn konzipierte Hans Poelzig als künstliche, begehbare Landschaft, die überarbeitete, versachlichte Letztfassung kam bis zur Grundsteinlegung. Mit der gigantomanisch-maßstablosen Verbauung beider Stadtberge für Wehrmacht und Partei wollte Adolf Hitlers Terrorregime – in dieser strategisch-physischen Omnipräsenz einzigartig im ganzen „Dritten Reich“ – das Zentrum unentrinnbar besetzen.

Große Visionen, lokale Ansichten
Mittwoch, 22. April 2015, 18.30 Uhr
Ort: Museum der Moderne am Mönchsberg
Beitrag: Museumseintritt. Führung durch die Ausstellung kostenlos.

Gute Aussichten für das Wochenende

Wer sich für das ungebaute Salzburg interessiert, gerne selbst kreativ ist und den Amalie-Redlich-Turm kennen lernen möchte, ist bei unserem Wochenendprogramm „Über den Dächern“ richtig.

Unsere Kunstvermittlerin Ingrid Hyra wird um 14 Uhr durch die Ausstellung Ungebautes Salzburg führen. Danach erklimmen Sie zusammen mit dem Künstler Erik Hable die Aussichtsplattform des Amalie-Redlich-Turms. Die vielen Stufen werden Sie mit einem beeindruckenden Panoramablick über die Stadt belohnen. Beim Ausblick auf die aktuelle Stadtlandschaft können Sie die gebauten und die ungebauten Projekte vergleichen. Wer will, kann eigenes Equipment zum Fotografieren mitnehmen wie Kameras, Tablets ober Smartphones. Unter Anleitung von Erik Hable entstehen im Atelier Fotocollagen und wer möchte, kann seine Aufnahmen gleich weiterverwenden.

Über den Dächern. Salzburg umgebaut
Fotocollagen Workshop für Erwachsene
Samstag, 18. April 2015, 14-17 Uhr
Beitrag: Museumseintritt plus € 10/Person
Anmeldung unter T. +43 662 842220-351 oder kunstvermittlung@mdmsalzburg.at

Paul Geppert d. Ä., Ein zweiter Tunnel durch den Mönchsberg, 1907

Gegen Ende des 19. und am Beginn des 20. Jahrhunderts wurden zahlreiche Pläne für die „Regulierung“ der Altstadt gewälzt. Darunter verstand man die Schaffung von Straßendurchbrüchen und die Verbreiterung der bestehenden Straßen, um sie mit neuen Wohn- und Geschäftshäusern bebauen zu können. Einen vorläufigen Endpunkt für diese Strategie markiert das Scheitern dieses Projekts.

Das Vorhaben beschäftigte die Stadt bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges, und ausgerechnet jene Person, deren Ermordung Anlass für diesen Krieg war, spielt darin die Hauptrolle: Thronfolger Franz Ferdinand. Um den Süden der Stadt ans Zentrum anzubinden, plante man einen zweiten Tunnel durch den Mönchsberg. Die Idee war nicht ganz neu. Hinterlistig hatten die Stadtväter dem Projekt den Namen Kaiser-Jubiläums-Tor gegeben, womit sie auf allerhöchste Zustimmung hofften. Franz Ferdinand, Gegenspieler des alten Kaisers, sah im Kronland Salzburg eine persönliche Spielwiese und hegte sogar den Wunsch, hier eine Residenz zu bauen. Der stramme Autokrat hatte die Denkmalpflege und den noch jungen Heimatschutzgedanken auf seine Fahnen geheftet und sah im Projekt der liberalen und deutschnational gesinnten Gemeinderäte einen frontalen Angriff auf seine Überzeugungen. Er setzte alle Hebel in Bewegung, um es zu Fall zu bringen. Das größte Sakrileg bestand in den Augen Franz Ferdinands darin, dass für die gewählte Tunnelvariante der Abbruch von sechs Arkadengrüften im südöstlichen Bereich des St.-Peter-Friedhofs erforderlich gewesen wäre. Aus zeitlicher Distanz erheitern dabei auch die Nebenschauplätze. So hatte sich die Erzdiözese interessanterweise für den Abbruch der Arkaden ausgesprochen. Sie argumentiert dabei – der Friedhof war 1878 aufgelassen worden – mit barockem Memento mori: „Das Leben der Friedhöfe sei eben der Tod, die Beisetzung der Leichen. Hört dieselbe auf, sterben die Anverwandten der Toten dahin, und ist ein neuer Friedhof da, der das Geld und die Pietät der Familien beansprucht, so stirbt der alte Friedhof dahin.“ Folgte man der Logik der Kirchenmänner, hätte man den aufgelassenen Friedhof gleich ganz abbrechen und anderen Zwecken widmen können.