Friedrich Kurrent, Johannes Spalt, Liturgische Neuordnung des Salzburger Doms, Wettbewerb, 1973

Die Reformen, die die römisch-katholische Kirche im Zweiten Vatikanischen Konzil beschloss, betrafen auch die liturgische Erneuerung des Gottes-dienstes. Dies erforderte u. a. bauliche Eingriffe in den bestehenden Kirchen. Die Erzdiözese Salzburg veranstaltete 1972/73 deshalb einen prominent besetzten Wettbewerb. Umgesetzt wurde er aber nicht.

In Salzburg nahm man das Jahr 1974, in dem die Tausendjahr-Feier des ersten vom Heiligen Virgil errichteten Doms anstand, als Anlass, um die liturgische Neuordnung des Doms anzugehen. Die Erzdiözese lud die Architekten Gottfried Böhm, Elmar Hillebrand, Carlo Scarpa, Friedrich Kurrent, Johannes Spalt, Hans Hollein sowie den bildenden Künstler Josef Mikl zu einem Wettbewerb ein. Carlo Scarpa war für das Wettbewerbs-kolloquium, das am 7. und 8. Dezember 1972 im Hotel Pitter stattfand, zwar angereist; allerdings lieferte er nie Pläne ab, obwohl er am 4. August 1973 telegrafisch versicherte, daran zu arbeiten. Die Jury tagte schließlich am 6. und 7. August 1973, gelangte unter dem Vorsitz von Wilhelm Holzbauer jedoch zu keinem eindeutigen Ergebnis. Sie vergab drei gleichwertige erste Preise an Hollein und an die beiden ehemaligen Büropartner Holzbauers, Kurrent und Spalt.

Friedrich Kurrent ging mit seinem Entwurf am weitesten. Er schlug vor, im Presbyterium eine steinerne Tribüne einzubauen „[…] die sich als schiefe Ebene vom Hochaltar zum Zentrum des Oktogons herabsenkt. In der Mitte steht eine Mensa mit zwölf Plätzen, an deren Kopf, mit Blick zur Gemeinde, der Bischof sitzt.“ Kurrent interpretiert den Altarraum samt dem Mobiliar und den liturgischen Geräten aus dem Motiv des Abendmahls heraus – das ging zu weit. Vierzig Jahre lang geschah nichts. Der Dom zu Salzburg erhielt schließlich – als letzte Bischofskirche im deutschsprachigen Raum – im Jahr 2005 einen künstlerisch belanglosen Volksaltar. Die Aufbruchsstimmung des Zweiten Vatikanums war selbst längst historisch.

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