Karl Freiherr von Schwarz, Plan für die Erweiterung der Stadt Salzburg, 1862

Der von Karl Schwarz lancierte Stadterweiterungsplan war ein Idealplan. Er stellt, farblich differenziert, die in schwarz gehaltenen Bestandsbauten der geplanten Erweiterung – rot für Neubauten, grün für Gärten, Parks und Alleen – gegenüber.

Der Plan markiert einen epochalen Bruch: Für jedermann ersichtlich wird der Gegensatz zwischen der rational geplanten Neustadt und der historisch gewachsenen Altstadt dargestellt. Die neue Stadt sollte im Wesentlichen mit geordneten Blockrandbebauungen erweitert werden. Hinzu kommen repräsentative Neubauten wie eine große „Bierhalle“, die am Endpunkt der neuen Ringstraße, heute Franz-Josef-Straße, geplant war. Aber auch weniger Profanes wie der Bau einer Kirche für den neuen Stadtteil war vorgesehen. Diese sollte nicht an der Stelle der heutigen Andräkirche stehen, sondern weiter nördlich, etwa im Bereich der Kreuzung der heutigen Faber- mit der Franz-Josef-Straße. Der „profane“ Mirabellplatz hätte ein Pendant mit sakralem Charakter erhalten.

Die größte Schwäche des Plans liegt jedoch ganz woanders. Man versprach mit ihm die Behebung der eklatanten Wohnungsnot. Doch anstatt günstiger Wohnungen baute man auf den neu gewonnenen Flächen an der Salzach teure und für eine gehobene Klientel bestimmte Villen. Erschwingliche Mietwohnungen blieben Mangelware. Das sogenannte „Fünfhaus“ (heute Max-Ott-Platz) und die beiden vom Wiener Unternehmer Max Faber errichteten Großbauten an der neuen Straße zum Bahnhof blieben die Ausnahme. Wenige günstige Wohnbauten entstanden weitab, auf den billigen Baugründen im Schatten des Kapuzinerberges.

Der Schwarzsche Plan war ein Instrument, mit dem die Befürworter um die Stadterweiterung warben. Die Kunsthistorikerin Christiane Krejs strich treffend heraus, dass „[…] dieser Plan im Wesentlichen eine Utopie bleiben sollte […]. Sie ist in ihrem Anspruch auf Monumentalität und Unbegrenztheit ein Sinnbild für die fortschrittsgläubige Lebenshaltung des liberalen Bürgertums.“ Was in den folgenden Jahren davon übrig blieb, ist nur eine schwache Reflexion dessen, was man sich durch die Entfesselung einer liberalisierten Wirtschaft erhofft hatte.

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