Vincenzo Scamozzi, Projekt für einen Dom zu Salzburg, 1606

Die Planungen für den Neubau des Salzburger Doms beschäftigten den berühmten venezianischen Architekten und Architekturtheoretiker Vincenzo Scamozzi vermutlich ab 1601. Sicher aber legte Scamozzi anlässlich eines Besuchs in Salzburg im Winter 1603/04 Pläne für einen Neubau vor. Wie aus zeitgenössischen Quellen hervorgeht, prüfte der Venezianer damals bereits die in Salzburg zur Verfügung stehenden Marmorsorten.

Vor Ende des Jahres 1603 hatte Scamozzi einen Grundriss des alten Salzburger Doms, bereits einen ersten Entwurf für den Neubau und eine Einladung des Fürsterzbischofs Wolf Dietrich nach Salzburg in der Tasche. Der neue Plan sollte sich vom alten deutlich unterscheiden, und zwar durch seine besondere Schönheit im Reichtum der Ornamente. Aber nicht nur im Dekorum, auch in der Dimension wollte man neue Maßstäbe setzen. Der ausgestellte Grundriss, der wohl als Vorlage für den nie publizierten 5. Band von Scamozzis L´idea dell‘ Architettura Universale um 1606 entstand, zeigt die gewaltigen Ausmaße des Vorhabens. Die Länge wird in „piedi veneziani“ („Venezianischen Fuß“) und in „Salzburger Fuß“ am Plan exakt festgehalten. Mit 139 Metern Länge hätte er sowohl den Vorgängerbau als auch den heute bestehenden, vom Nachfolger Wolf Dietrichs, Marcus Sitticus, in Auftrag gegebenen Dom (Länge: 99 Meter) deutlich übertroffen. Ob dieser Idealplan jemals für eine Ausführung bestimmt war, ist allerdings fraglich. Der bekannte Salzburger Kunsthistoriker Franz Fuhrmann meinte, dass der Entwurf „[…] von seiner Größe und von seinem Stil her dem Salzburger Stadtbild jedenfalls unangemessen gewesen wäre“. Nun genau dieses Stadtbild wurde damals erst geschaffen; dieses Urteil geht daher ins Leere. Das gilt umso mehr für jenen Bau, für den Wolf Dietrich am 18. April 1611 noch den Grundstein legte, der jedoch über die Fundamentierung nicht hinauskam. Aufgrund der militärischen Niederlage gegen die Bayern und dem erzwungenen Rücktritt Wolf Dietrichs wurde das Vorhaben gestoppt. Dieser Dom wäre, wie ein anonymer Chronist berichtet, mit den Kirchentüren zum Residenzplatz gestanden, also in seiner Ausrichtung gegenüber dem heutigen Bau um 90 Grad gedreht gewesen.

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