Clemens Holzmeister, Ein Musiktheater am Rosenhügel, 1950

In der unmittelbaren Nachkriegszeit verfolgte der Schriftsteller Hermann Heinz Ortner das Projekt weltweiter Musikwettkämpfe. Wenn auch dieses reichlich absurde Vorhaben scheiterte, so nährte es indirekt die Überzeugung, dass die Festspiele einen großzügigen Theaterneubau für den gewachsenen Betrieb brauchten.

Ortner war bereits 1933 der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) beigetreten und galt nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs als politisch schwer belastet. Als Mitarbeiter der Stelle für Wiederaufbau der Fremdenverkehrswirtschaft Österreichs und mit hohen Geldbeträgen der Stadt Salzburg unterstützt, gelang es ihm, höchste politische Kreise für seine Idee einer „Musikolympiade“ zu begeistern. Ein monströser Theaterbau mit 3 000 Plätzen sollte auf dem Mönchsberg entstehen. Neun Architekten, darunter Clemens Holzmeister, folgten Ortners Einladung und stellten Projekte für ein Leser-Preisausschreiben zur Verfügung, die in seiner Zeitschrift Olympia 1950 publiziert wurden. Die geplante Mönchsberg-verbauung lieferte in Salzburg, wie der Publizist Paul Becker berichtet, „Zündstoff für heftige Diskussionen“, sodass Ortner noch im selben Jahr vorschlug, das Haus der Musikolympiade am Rosenhügel, anstelle des durch Bomben zerstörten Kurhauses, zu errichten. Er erhielt noch im selben Jahr vom Unterrichtsministerium den direkten Auftrag für die Planung eines großen Musiktheater-Komplexes. Wieder einmal wurde ein Grundstein gelegt, den man später diskret entfernte.

Holzmeister selbst beschrieb diesen Entwurf als die Summe seines Wissens aus dem Theaterbau. Die Ansicht des Bühnenhauses lässt an Vorbilder aus dem byzantinischen Kirchenbau denken und erscheint als Reminiszenz an seine Türkei-Aufenthalte. Als kalkulierte Inszenierung sollte man die drei Portale an der Hinterbühne des Hauses öffnen können, sodass sich für das Publikum der berühmte Postkartenblick auf Mirabellgarten, Altstadt und Festung eröffnet hätte. Letztlich war das Projekt eine Art Vorspiel für Holzmeisters Umbau der Hofstallungen zum Großen Festspielhaus (1956–60). Bemerkenswert ist, dass alle Projekte, sei es auf dem Mönchsberg, am Bürglstein, in Hellbrunn, auf dem Kapuzinerberg oder eben dem Rosenhügel, scheiterten. Nicht der Bezug zur Natur, sondern die „Stadt als Bühne“ hat sich als Konzept durchgesetzt.

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