Martin Knoll, Festspielhausprojekt, ca. 1921

Mit gerade einmal dreißig Jahren legte Martin Knoll, der einer Baumeister-Dynastie entstammte, den Entwurf für ein Festspielhaus am Bürglstein vor und präsentierte die Pläne 1918 im Salzburger Künstlerhaus.

Der junge Martin Knoll, der in München studiert hatte und zur Schule Otto Wagners in Wien Kontakte knüpfte, ist in seinem ersten akademischen Entwurf – der hier nicht ausgestellt ist – noch in den Fesseln der Vergangenheit gefangen. Mit dem Bau im Stil des Neoklassizismus denkt der Planer an die Klientel einer Welt von gestern. Es ist aber gar nicht der Entwurf selbst, sondern der ausgewählte Bauplatz, der Interesse erweckt: der Bürglstein. Zu Anfang des 19. Jahrhunderts war der Aussichtspunkt mit Blick auf die Stadt zu einer Pilgerstätte der Romantiker geworden. In dieser historischen Bedeutung des Orts – seiner Nähe bei gleichzeitiger Distanz zur Stadt – erkannte Knoll den idealen Platz für ein Festspielhaus. Eine künstlerische Explosion zeigt ein zweiter, vermutlich um 1921 entstandener Entwurf von Knoll, der in einer einzigen kolorierten Graphik überliefert ist. Er entstand wohl in Konkurrenz zu Poelzigs Entwurf für Hellbrunn. Zwei mächtige Skulpturen brechen mit der Konvention, die Bauplastik der Architektur als dekorative Applikationen unterzuordnen. Aber nicht nur die dominanten Skulpturen, auch die expressionistische Farbigkeit verweisen auf ein Gesamtkunstwerk, das sich in den Dienst der Musik stellt und diese als Höhepunkt der europäischen Kultur feiert.

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