Entwürfe für eine andere Stadt

Dieses Kapitel behandelt drei grundlegende Motive der Salzburger Planungsgeschichte. Sie lassen sich als Variationen eines Themas definieren, in dem es stets um das Verhältnis eines Teils zum Ganzen geht: das Verhältnis der Stadt zur umgebenden Landschaft, das Weiter-bauen innerhalb der Grenzen der historischen Stadt und die Frage der Ausprägung neuer Stadtbezirke im Verhältnis zum historischen Kern.

Beginnen wir beim letzten Punkt, der moderne Stadtentwicklungsprojekte mit einer anderen Sicht auf die Stadt würdigt, und zwar anhand von zwei Projekten: Das eine stammt von keinem Geringeren als Lois Welzenbacher und entstand 1927 für den Wettbewerb zur Verbauung der Aiglhofgründe. Das andere – ein Entwurf des Architekturbüros arbeitsgruppe 4 – ist eine Alternative zur Trabantenstadt Taxham, die nach dem Zweiten Weltkrieg aus dem Boden gestampft wurde. Zwei Mal lagen – an historisch markanten Zeitpunkten – hochinteressante Entwürfe vor, die keine Realisierung fanden. Sowohl im Aiglhof als auch in Taxham entstanden, und zwar in völlig anderen politischen Systemen, Siedlungen mit traditionalistischem Charakter.

Die Thematik des Weiterbauens an der historischen Stadt ist vielleicht die bedeutendste architektonische Herausforderung, die sich in Salzburg stellt. Das von Vertretern eines modernen Städtebaus als Sakrileg eingestufte neobarocke Justizgebäude (1903–09) von Alexander Wielemans markiert in diesem Kontext einen Epochenbruch. Unter Architekten und Vertretern des noch jungen Heimatschutzes entstand die Diskussion über die „richtige“ Einstellung gegenüber dem historischen Stadtbild und über die stilistischen Merkmale einer modernen, für Salzburg typischen Architektur. Interessant daran ist, dass zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Begriffe „Salzburg“ und „Moderne“ nicht als Gegensatz empfunden wurden, ganz im Gegenteil. Publizisten wie Joseph August Lux oder Architekten wie Martin Knoll setzten sich mit Erfolg gegen das sklavische Nachahmen architektonischer Motive von Alt-Salzburger Bauten zur Wehr. Diese differenzierte Suche nach einer modernen Typologie der Salzburger Architektur wurde spätestens mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten beendet. Das Misstrauen geht in Salzburg schließlich so weit, dass – dies wird exemplarisch am Projekt für die Wohnbebauung im Bärengässchen (1986) dargestellt – jeder Neubau, gleich welchen Charakters, als Anschlag auf die Altstadt verstanden wird. Diese Haltung sieht in der Stadt ein Museum – und opfert dem Tourismus eine belebte, von Bürgern bewohnte Stadt.

Ein nicht minder wichtiger Topos der Salzburger Planungsgeschichte ist der der Landschaft. Hans Sedlmayr hat mit seiner Streitschrift Stadt ohne Landschaft die Losung für die Bürgerbewegung ausgegeben, die die geplante Bebauung an der Hellbrunner Allee, von Leopoldskron und Freisaal verhinderte. Heute sind diese und andere Grünbereiche durch die „Grünlanddeklaration“ für immer geschützt. Im Zusammenhang mit den Problemen der damaligen Projekte sollte auch in Erinnerung gerufen werden, dass der Widerstand gegen die Verbauung zu keinem umfassenden Leitbild für die Stadtentwicklung geführt hat.

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