Hans Hollein, Guggenheim-Museum, 1989–2002

1989 gewann Hans Hollein den vielleicht spektakulärsten jemals in Salzburg durchgeführten Wettbewerb. Holleins Vision eines Museums im Mönchsberg hat über mehr als ein Jahrzehnt die kulturpolitische Diskussion in Österreich gefesselt. Realisiert wurde sie nicht.

Die Faszination des Bauens im Berg geht von unterschiedlichen Motiven aus. Es kennt keine Fassaden im herkömmlichen Sinn, und es verweist im a-tektonischen Schürfen auf eine zweite, „negative“ Seite des Bauens. Hollein selbst gibt den Hinweis auf ein hermetisches Denken, wenn er darin die „[…] Tendenz des Grabens, des Abstiegs zum Mittelpunkt der Erde mit ihren Schätzen, zu unterirdischen Strukturen der Kommunikation […]“ erkennt.

Der Eingang in dieses Museum erfolgt vom Hof des Bürgerspitals auf der Ebene der Stadt und führt in eine Unterwelt mit schachbrettartig angeordneten Ausstellungsräumen. Spektakuläres Herzstück der Anlage bildet ein aus dem Fels geschürfter, zum Plateau des Mönchsbergs sich trichterförmig weitender Raum. Ihn bekrönt eine flache, gläserne Kuppelschale. Über sie fällt natürliches Licht ins Innere – und vertreibt das Dunkel der Höhle. Auf der Ebene des Mönchsberg-Plateaus sollte in einer natürlichen Senke eine lanzettförmige Ausstellungshalle für Wechsel-ausstellungen entstehen. Der im Holleinschen Entwurf mittels Rampen, Treppen und Podesten, die in die Bergwand eingekerbt sind, phantastisch inszenierte Hohlraum paraphrasiert genial die Rotunde im New Yorker Guggenheim Museum von Frank Lloyd Wright. Der Wettbewerb – er sollte eigentlich Entwürfe für das Salzburger Landesmuseum bringen – wies über den regionalen Kontext weit hinaus. Über Vermittlung des Kardiologen Felix Unger wurde Holleins Projekt an die Solomon R. Guggenheim Foundation herangetragen und fand in dessen damaligem Direktor, Thomas Krens, einen glühenden Verfechter. Die Idee scheiterte nicht zuletzt an der Uneinigkeit der Salzburger Politik und gilt heute noch vielen als die verspielte Chance schlechthin. Die Debatte in Salzburg bereitete schließlich den Boden für das Projekt von Frank O. Gehry im nordspanischen Bilbao. Dessen Erfolg hat unseren Wortschatz seither um einen Begriff bereichert: Bilbao-Effekt.

Eduardo Souto de Moura, Hotel in der Riedenburg, 1985

Nachdem der Plan, eine Zentralgarage auf dem Ford-Schmidt-Gelände zu errichten, von einer Bürgerinitiative verhindert wurde, wollte man das Areal an einen Hotelbetreiber veräußern. Planungsstadtrat Johannes Voggenhuber verlangte wie üblich einen Wettbewerb. Das Siegerprojekt blieb – wie so oft – auf der Strecke.

Jahre später schildert der Architekt Eduardo Souto de Moura, der aus Porto stammende Sieger des Wettbewerbs, seine Erfahrungen: „Ich lernte Thomas Bernhard in Salzburg kennen – nicht persönlich, aber unter ganz besonderen Umständen. Ich hatte einen Wettbewerb für ein Hotel in Salzburg gewonnen, am Fuße jenes Berges, wo die Leute sich in den Tod stürzen, der Mönchsberg. Deshalb reiste ich viel nach Salzburg. […] Dann wurde dieses Projekt geändert, ohne mein Wissen, und nachdem ich davon erfahren hatte, führte ich einen Prozeß vor Gericht. Deshalb stellte man mir eine Über-setzerin für Portugiesisch zur Seite, die mit der Sekretärin von Thomas Bernhard befreundet war. Ich fand dieses Verfahren sehr seltsam in einem zivilisierten Land wie Österreich, und es befremdete mich, wie man mich behandelte. Dasselbe hatten sie mit Architekten Siza Vieira gemacht, der das Casino von Salzburg gewonnen hatte. […] Und diese Übersetzerin, mit der ich sprach, erklärte mir: ‚Aber wenn Sie das Nachkriegsösterreich und Salzburg verstehen wollen, das ist nämlich eine ganze besondere Gegend, müssen Sie Thomas Bernhard lesen.’ […] Als ich die Bücher las, habe ich angefangen […] zu verstehen, was mir widerfahren war, dass es ein absolut ungerechtfertigter Prozeß war, ein Betrug. Und genau so, durch die Beschreibungen Salzburgs von Thomas Bernhard, begann ich zu begreifen, dass es dort ein belastendes Problem gab, für das es wohl einen Grund gab.“

Die Kränkung, die aus diesem Text spricht, zeigt, wie Salzburg seinen Ruf beschädigt. Pritzker-Preisträger Souto de Moura wurde noch ein zweites
Mal zu einem Wettbewerb nach Salzburg geladen. Sein zurückhaltendes Konzept für den Umbau der Sternbrauerei, nur einen Steinwurf vom Hotelprojekt entfernt, fiel bei der Jury aber durch. Salzburg war ihm auch dieses Mal nicht gewogen.

Juan Navarro Baldeweg, Kongresshaus, 1992

Der Neubau für ein Kongresshaus zählt zu den bittersten Momenten der jüngeren Planungsgeschichte Salzburgs. Der Vorgängerbau entstand zwischen 1953 und 1957 nach Plänen des Holzmeister-Schülers Eugen Wörle. Wie das unmittelbar benachbarte, im „Espresso-Stil“ errichtete Parkhotel Mirabell wich er einem mittelmäßigen Neubau, während man das Projekt von Juan Navarro Baldeweg schubladisierte.

Im Juli 1992 verkündete Bürgermeister Dr. Harald Lettner, dass man bis zu 120 Millionen Österreichische Schilling (€ 8 721 000,-) in ein neues Kongresshaus stecken wolle, um „Salzburgs Ruf als Kongreßstadt zu festigen“. Überaus hochkarätig waren die Teilnehmer des ausgelobten Wettbewerbs, darunter Fumihiko Maki, Hilmer & Sattler, Bernhard Tschumi, Massimiliano Fuksas, Henri Gaudin und Elsa Prochazka. Die Salzburger Architekturbüros von Franz Fonatsch, Schmidsberger/Knall und Friedrich Brandstätter ergänzten die Schar der Teilnehmer. Brandstätters Projekt wurde vom Vorsitzenden der Jury, Hans Hollein, besonders gelobt und erhielt einen Anerkennungspreis. Das sollte noch Folgen haben. Unangefochten zum Sieger erklärt wurde aber der „Stern mit glänzender Haut aus Metall“ von Juan Navarro Baldeweg aus Spanien.
Baldewegs Entwurf löste ein schon beim alten Kongresshaus vorhandenes Problem: Indem er das Erdgeschoß an der Rainerstraße zurückspringen lässt, schafft er Platz für ein repräsentatives Entree. Aber nun wurde lanciert, das Vorhaben sei zu teuer, und der glitzernde Komet zog über Salzburg hinweg. Die kalkulierten Kosten beliefen sich auf 440 Millionen Österreichische Schilling (€ 31 976 000,-), und so zog man das angeblich günstigere und funktionalere Projekt von Brandstätter aus der Schublade. Es kam schließlich – ein einzigartiger Vorgang – zu einer Kampfabstimmung im Gemeinderat. Der mittlerweile neue Bürgermeister Dr. Josef Dechant machte von seinem Dirimierungsrecht Gebrauch und setzte das Projekt von Brand-stätter, dem später ebenfalls übel mitgespielt wurde, durch. Abgerechnet wurde das Projekt im Jahr 2001 mit 587 Millionen Österreichischen Schilling (€ 42 659 000,-), mit damals noch offenen Forderungen belief es sich summa summarum auf 600 Millionen Österreichische Schilling (€ 43 603 700,-), andere Quellen sprechen sogar von 700 Millionen Österreichischen Schilling (€ 50 871 000,-). Um dieses Geld hätte man jedenfalls das Baldeweg-Projekt bauen und das Ziel, den „Ruf Salzburgs als Kongressstadt zu festigen“, auch erreichen können.

Dominique Perrault, Verwaltungsgebäude der Salzburger Sparkasse, 1994

Die asphaltierte Platzwüste westlich des Unfallkrankenhauses (UKH) zählt mit einer aufgelassenen Tankstelle und der einzigen, längst funktionslosen „Drive-In-Bank“ Salzburgs zu den wirklich unansehnlichen Orten der Altstadt. Alle Versuche, diesem Teil des Dr.-Franz-Rehrl-Platzes ein neues Gesicht zu geben, sind bislang gescheitert.

Während das Unfallkrankenhaus bei der Ziehung der Grenzen des Altstadt-erhaltungsgebiets bewusst ausgeklammert wurde, blieb die Vorzone innerhalb der Schutzzone. Seither wird darüber gestritten, was als Bezugs-punkt für die Bebauung des Areals herangezogen werden darf: die diesseits der virtuellen Linie gelegenen, meist gründerzeitlichen Villen oder das im Stadtbild dominante, wenn auch von vielen als baulicher Schandfleck empfundene Spital. Diese ungelöste Frage verhindert eine Bebauung des Areals und führte auch zum Scheitern des 1994 durchgeführten Wett-bewerbs. Der französische Stararchitekt Dominique Perrault setzte sich mit seinem Vorschlag eines niedrigen „Decks“, das mit seiner Oberkante auf die Höhe der Arenbergstraße reicht, gekonnt in Szene. Von der Arenberg-straße sollte man eben auf das hölzerne Dach dieser Plattform treten können. Allerdings verlangte der Auslober – die Salzburger Sparkasse, die hier ihr Verwaltungszentrum errichten wollte – in einer zweiten Wettbewerbsstufe plötzlich eine deutliche Anhebung der Kubatur. Perrault reagierte darauf pragmatisch und setzte auf das vorhandene Volumen, getrennt durch ein Leergeschoß, einen weiteren zwei Geschoße hohen Baukörper, der, an der Seite zum Unfallkrankenhaus auf einer Reihe von Stützen stehend, über den unteren Baukörper auskragte. Die Eleganz des Projekts war damit verflogen, und Perrault selbst äußerte sich in einem späteren Interview dazu kritisch. Die Gegner sprachen von „städtebaulichem Wahnsinn“, vom „Betonmonster“ und trugen in einer von den Boulevard-medien befeuerten Diskussion das Projekt zu Grabe. Jahre später (2001) startete der Bauträger Franz Fürst mit Perrault nochmals einen Versuch, in dem Aspekte des ersten Projekt-ansatzes wieder aufgegriffen wurden. Doch die Luft war draußen. Aktuell plant man erneut auf dem Areal zu bauen – Ausgang: offen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s