Der Mönchsberg

Der Mönchsberg, dieser seit Jahrhunderten von Menschenhand behauene Felsen mit seinen Kavernen und architektonisch gestalteten Wänden, mag manchmal mehr als ein Werk der Kunst als eines der Natur erscheinen.

Die schützende Barriere von Festungs- und Mönchsberg, eine natürliche Stadtmauer, war ausschlaggebend dafür, dass hier schon vorgeschichtliche Siedlungen entstanden; zugleich wurde sie zum Hemmschuh für die Entwicklung der Stadt. Den Berg zu perforieren war daher seit jeher ein Thema. Schon im Mittelalter schlug man einen Tunnel durch den Berg, den Almkanal, der über ein weitverzweigtes Netz an Kanälen Wasser für die Straßenreinigung, den Antrieb von Mühlen und Hammerwerken sowie für Brunnen, wie etwa den Residenzbrunnen, lieferte. Bereits 1676 regte Guidobald Franz Freiherr von Hegi einen Durchstich durch den Mönchsberg samt Stadterweiterung in der Riedenburg an, um der Stadt, die kaum mehr Entwicklungsmöglichkeiten besaß, solche zu eröffnen.
Das Bauen im und mit dem Fels weist dabei auf eine andere Architektur: das „a-tektonische Aushöhlen, Ausgraben, das sich frei in alle Richtungen – wie der Fisch im Wasser ausbreiten kann“, wie Hans Hollein einmal notierte.

Nicht weniger herausfordernd war der Versuch, auf dem Mönchsberg zu bauen (Projekte für Festspielhäuser werden im Kapitel „Festspielhäuser“ erörtert). Die Nationalsozialisten planten – als Pendant zur Bebauung des Kapuzinerbergs – auf dem Mönchsberg die Zentrale des Wehrkreiskommandos XVIII – eine megalomane Absurdität, die die ganze Brutalität dieses
selbst ernannten Herrenmenschentums aufzeigt. Dagegen ist alles, was später noch an Projekten für diesen Ort geplant wurde, eine reine Lappalie.

Ungleich poetischer ist Álvaro Sizas Entwurf für die Erweiterung des Casinos Winkler am Mönchsberg. Das sahen allerdings die bestimmenden konservativen Kreise in Salzburg
nicht so. Ein Entrüstungssturm, geschürt u. a. vom damaligen Chefredakteur der Salzburger Nachrichten, der den Untergang, wenn schon nicht des Abendlandes, so doch Salzburgs prophezeite, fegte das Projekt hinweg.

Hans Holleins Projekt eines Guggenheim Museums im Mönchsberg gilt als Paradebeispiel dafür, wie in Salzburg die Paarung aus provinziellem Kleinmut und hypostasierter Weltgeltung die historisch einmalige Chance vereitelt hat.
Die bauliche Erschließung des 2004 anstelle des Café Winkler errichteten Museums der Moderne war von Anfang an problematisch. Um die Situation zu entschärfen, lobte man noch vor der Eröffnung des Hauses einen Wettbewerb aus, der Sizas Idee eines Panoramalifts an der Mönchsbergwand wieder aufgriff. Diese sichtbare Verknüpfung von Stadtebene und Bergplateau zog der Betreiber und Auslober des Wettbewerbs – offiziell aus Kostengründen – wieder zurück.

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