Peter Ebner and Friends, Fußgängerturm und Lift, Kapuzinerberg, 1999–2002

Neben dem Festungs- und dem Mönchsberg ist der Kapuzinerberg einer der drei Salzburger Hausberge. Weil er nur über einen steilen Weg und Treppen erreicht werden kann, gab es schon im 19. Jahrhundert Überlegungen, den Berg mit einer Seilbahn zu erschließen.

Im Zusammenhang mit der Sanierung des Franziskischlössls am Kapuzinerberg spekulierte man 1990 erneut mit der Errichtung einer Aufstiegshilfe an der Nordseite des Bergs. Doch dazu kam es nicht. Wenige Jahre später tauchte der Gedanke beim Bau eines Studentenheims (Peter Ebner, Günter Eckerstorfer mit Robert Schmid) in der Glockengasse wieder auf. Von der Politik wurde der Wunsch eines Fußgängerturms, der nun an der Westflanke des Kapuzinerbergs liegen sollte, an die Planer heran-getragen. Peter Ebner versuchte hartnäckig, letztlich aber vergeblich, Betreiber und Investoren für die Idee seines in sich gewundenen Treppen-turms zu finden. Als gelernter Maschinenbaukonstrukteur entwickelte er gemeinsam mit einer schwedischen Spezialfirma einen einzigartigen, sich um die Achse des Turms drehenden Lift.

Der Turm mit seiner schraubenartigen Figur sollte aus gleichartigen, übereinander gestapelten Betonfertigteilen errichtet werden, die, an der Mittelachse verbunden, um jeweils zehn Grad versetzt werden. Durch diese Anordnung entsteht eine stabile Konstruktion, die dieselbe statische Wirkung wie ein geschlossenes Rohr besitzt, nur eben als allseitig offene Form. Das Problem der Windlasten kann so erheblich reduziert werden. Der Reiz des gewendelten Treppenturms besteht in einer abstrahierten, anthropomorphen Gestalt, die wiederum das Schreiten und Sich-Drehen um die Achse darstellt. Die figura serpentinata der Renaissance, Constantin Brancusis Endlose Säule oder Marcel Duchamps Nu descendant un escalier stellen sich assoziativ als Bezugsmomente dieser Himmelsleiter ein. Die in sich verschraubte Gestalt hat in Salzburg überdies den nur wenige Jahre später vom Büro Delugan_Meissl geplanten Lift auf den Mönchsberg zur Er-schließung des Museums der Moderne vorweggenommen. Dies auch nicht ganz zufällig, wenn man sich in Erinnerung ruft, dass für beide Projekte das Tragwerksbüro Werkraum Wien die statischen Berechnungen lieferte.

 

one room, Treppenhaus Universitätsaula und Neugestaltung Hofstallgasse – Max-Reinhardt-Platz – Furtwängler-Garten, 2003

Wenn in Salzburg über ein neues Projekt nachgedacht wird, sind die Schlagzeilen in den Medien zunächst positiv. In der nächsten Runde kommen die Kritiker zu Wort, und ein bekanntes Ritual beginnt. So war es auch bei der Neugestaltung des „Schönsten Foyers der Welt“ (Eigen-definition der Salzburger Festspiele für den Max-Reinhardt-Platz).

Im Jahr 2001 hatten Studierende der Hochschule Darmstadt unter Leitung des Basler Stadtplaners Carl Fingerhuth – er war in dieser Zeit auch Mitglied im Salzburger Gestaltungsbeirat und daher mit der örtlichen Situation bestens vertraut – Vorstudien für eine bauliche Fassung von Furtwängler-Garten/Max-Reinhardt-Platz entwickelt. Den besten Beiträgen wurden Festspielkarten versprochen. Für den 2003 ausgelobten internationalen Architektenwettbewerb formulierte der Kulturredakteur Werner Thuswaldner: „Die Aufgabe ist klar. […] Es geht um eine erhebliche Aufwertung des Festspielbezirks.“ Dass den Wettbewerb dann keiner der eingeladenen internationalen Stararchitekten, sondern das junge Salzburger Architektur-büro one room (Georg Huber / Karl Meinhart) für sich entschied, dürfte einige schon zum Widerstand motiviert haben. Neben der Neugestaltung des Platzes war ein wesentlicher Punkt des Programms die neue Erschließung der Universitätsaula, die für das Mozart-Jubiläumsjahr 2006 festspieltauglich gemacht werden sollte. Schon einen Monat nach der Wettbewerbs-entscheidung warnten Vertreter der Festspiele vor einem „Rummelplatz“, der hier vielleicht entstünde. Stein des Anstoßes war ein mit einer Sitztribüne versehener, eingeschossiger Baukörper, der den Platz räumlich gliedert, indem er eine Zäsur zwischen Garten und Straßenraum herstellt.

Verwirklicht wurde nach einer gehässig geführten Debatte die Oberflächen-gestaltung von Hofstallgasse/Max-Reinhardt-Platz und die Glas-Stahl-Konstruktion des Zugangs zur Aula. Das Projekt blieb nur als Torso erhalten. Den Park gestalteten die Landschaftsarchitekten Auböck + Kárász, während der in unzähligen Varianten überarbeitete kleine Pavillon, den eine private Sponsorin bereit war zu finanzieren, den Protesten zum Opfer fiel.

 

maxRIEDER / knittels BÜRO, Neugestaltung des Residenzplatzes, 2007

Noch zu Anfang der 1970er-Jahre diente der Residenzplatz als Autoabstell-fläche. Mit Einführung der Fußgängerzone – übrigens zunächst gegen den Widerstand u. a. der Innenstadtkaufleute realisiert – wollte man die „5. Fassade der Stadt“ neu gestalten. Alle Versuche, den Residenzplatz in einen urbanen Lebensraum zu transformieren, sind aber seither gescheitert.

Der 2007 durchgeführte Wettbewerb für die Gestaltung des Platzes war also nicht der erste Vorstoß, dem Platz eine neue Oberfläche zu verleihen. Wie schon die Anläufe zuvor scheiterte auch dieses Unterfangen an der Frage, was der Platz übers Jahr verteilt an Nutzungen überhaupt verträgt. Dies
führt in schöner Regelmäßigkeit dazu, dass an den Platz mannigfaltige Anforderungen herangetragen werden. Der Platz, auf dem sich einst der Friedhof der Stadt befand (bis Fürsterzbischof Wolf Dietrich ihn nach St. Sebastian verlegte), der die triumphalen Einzüge der Erzbischöfe sah, aber auch die einzige Bücherverbrennung Österreichs im Nationalsozialismus, braucht vor dem nächsten Gestaltungsversuch eine Klärung, welche Rolle er in der Stadt spielen soll. Bis dahin spricht einiges dafür, etwa ökologische Aspekte, den Platz als unversiegelte Fläche zu erhalten.

Der vielleicht gelungenste Aspekt von Rieders Entwurf für die Platzgestaltung ist die bewegliche Skulptur, die als Bodenplatte unauffällig im Platzniveau versenkt ist und nur bei Gedenkveranstaltungen hochgefahren wird. Dabei steht ihr von Scheinwerfern ausgehendes Licht in luzidem Kontrast zum volksverhetzenden Feuer der Bücherverbrennung des Jahres 1938. Dieses Gerüst ist Symbol für die Zerbrechlichkeit des Geistes in den Zeiten der Diktatur, ein eindringliches Bild für die Ohnmacht des Intellekts gegenüber der Brutalität der Macht.

 

Dietmar Feichtinger Architectes, Wintereinhausung des Hofbrunnes auf dem Residenzplatz, 2004

Der Bildhauer Walter Pichler schlug in den 1970er-Jahren vor, die Brunnen der Altstadt im Winter nicht mehr unter hölzernen Verschlägen zu verbergen, sondern sie mit leichten Konstruktionen aus Plexiglas zu versehen.

Architekt Wilhelm Holzbauer beschrieb den Vorschlag Pichlers für den Residenzbrunnen als „leichte Rohrkonstruktion mit Plexiglashülle anstatt des Bretterverschlags“. Umgesetzt wurde Pichlers Ansatz bei der Pferde-schwemme (heute Herbert-von-Karajan-Platz) und bei der Kapitelschwemme, nicht aber beim Residenzbrunnen. Viele Jahre später wurde der Floriani-brunnen am Alten Markt nach Plänen von Franz Fonatsch mit einer transparenten Einhausung versehen. Sein Gestaltungskonzept übertrug er auch auf die Marienstatue auf dem Domplatz. Dabei zeigte sich, dass dieser Entwurfsansatz der Dimension des Monuments nicht mehr gerecht wird. Hinsichtlich der bereits geplanten Einhausung des Residenzbrunnens sprach sich Vizebürgermeister DDr. Karl Gollegger – er war für die Altstadt- und Tourismusagenden der Stadt verantwortlich – daher für die Durchführung eines Wettbewerbs aus. Diesen gewann das in Paris beheimatete Büro von Dietmar Feichtinger. Die Form des zwölfeckigen Brunnenbeckens übersetzt der gebürtige Steirer in eine parabolisch geformte konkave Hüllfläche, die die Dynamik der figura serpentinata (einer schlangenförmig gewundenen Figur) im Aufbau des Renaissance-Brunnens aufnimmt. Feichtinger hat durch seine Brückenbauten in Paris, Lyon oder bei der Klosterinsel Mont St. Michel mehr als einmal bewiesen, dass er moderne Technik mit historischen Objekten zu verbinden weiß. Zudem versicherte er eine sehr gute Funktionalität beim jährlichen Auf- und Abbau.

Dem wäre nichts hinzuzufügen, außer dass nach dem Ausscheiden von Karl Gollegger aus der Stadtpolitik die Burghauptmannschaft als Bauherr schon bald große technische Probleme bei der Umsetzung geltend machte. Mittlerweile wurde das Umfeld des Brunnens neu gepflastert und der alte Holzverschlag durch einen neuen ersetzt. Der auf der Höhe der Zeit neu interpretierte Vorschlag Pichlers wird somit bleiben, was er ist: eine schöne Idee.

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