Salzburg: Ein Scheitern in Projekten

Lang ist die Liste der Vorhaben, die in Salzburg in den letzten drei Jahrzehnten initiiert, aber nicht umgesetzt wurden. Immer wieder folgten Koryphäen dem Ruf und zeichneten Entwürfe für die Stadt an der Salzach. Doch nicht nur Träger des renommierten Pritzker-Architektur-Preises wie Álvaro Siza, Eduardo Souto de Moura und Hans Hollein haben der Stadt ihre Kreativität umsonst angedient.

Die 1970er-Jahre waren in Salzburg eine Zeit des Umbruchs, in der die technokratischen Reißbrettplanungen auf den entschiedenen Widerstand der Bevölkerung trafen. Die Bürger-initiativen, die sich nun bildeten, erkannten, dass man bei der Umsetzung von Vorhaben wie dem Generalverkehrsplan (1976) die Stadt und ihre Landschaft für immer zerstören würde. Johannes Voggenhuber, der 1983 in die Stadtregierung gewählte Vertreter der grün-alternativen Bürgerliste, die als Partei aus den oben erwähnten Initiativen hervorgegangen war, brachte Reformen auf den Weg, die die Stadtentwicklung bis heute prägen. Im Rückblick verwundert es nicht, dass viele der damals initiierten Vorhaben über das Projektstadium nicht hinauskamen. In seiner nur vier Jahre dauernden Amtszeit als Planungsstadtrat scheiterten neben dem Projekt für die Erweiterung des Casinos Winkler von Álvaro Siza noch einige andere hervorragende Entwürfe: ein Hotel von Eduardo Souto de Moura in der Neutorstraße, eine Bar am Giselakai von Adolf Krischanitz oder das Wohnprojekt Bärengässchen von Lankmayer/Schmidt.

Die Praxis, prominente, international tätige Architekten zu Wettbewerben einzuladen, lebte auch nach Voggenhubers Abgang aus der Stadtpolitik fort. Dies führte zu einer Art „Competainment“, das allzu oft als Kampagnen-Vorlage für den Boulevard diente, der diese Projekte zu Fall brachte. Juan Navarro Baldewegs Entwurf für den Neubau des Kongress-hauses (1992) war schlicht genial – ein Wurf, wie er nur in Ausnahmefällen gelingt. Dominique Perrault scheiterte mit dem Wettbewerbsprojekt am Rehrl-Platz (1995) ebenso wie Massimiliano Fuksas mit dem „Spaßbad“ (2002) oder Boris Podrecca mit der Gestaltung des Makartplatzes (2001).

Die Politik verliert im Zeitalter des Neoliberalismus – diktiert von klammen Kassen und dem Primat privater Investitionen – zusehends an Einflussmöglichkeiten. Das Scheitern der Gestaltung des Bereichs Hofstallgasse / Max-Reinhardt-Platz (one room), einer Winter-einhausung des Residenzbrunnens (Dietmar Feichtinger) oder der geplanten Neugestaltung des Residenzplatzes (Max Rieder und Andreas Knittel) sind symptomatisch für diese Situation. Der Platz ergreift im Gegenzug das Triviale, das die Besucher der „Heritage City“ nicht aus dem Schlaf rüttelt. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts stellt sich die Frage, ob diese Stadt noch die Kraft zur Erneuerung besitzt. Können wir dem Ort genuin Neues abringen, oder diktiert uns der Tourismus auf ewig die Reproduktion eines eingefrorenen Stadtbilds?

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