Hans Hollein, Guggenheim-Museum, 1989–2002

1989 gewann Hans Hollein den vielleicht spektakulärsten jemals in Salzburg durchgeführten Wettbewerb. Holleins Vision eines Museums im Mönchsberg hat über mehr als ein Jahrzehnt die kulturpolitische Diskussion in Österreich gefesselt. Realisiert wurde sie nicht.

Die Faszination des Bauens im Berg geht von unterschiedlichen Motiven aus. Es kennt keine Fassaden im herkömmlichen Sinn, und es verweist im a-tektonischen Schürfen auf eine zweite, „negative“ Seite des Bauens. Hollein selbst gibt den Hinweis auf ein hermetisches Denken, wenn er darin die „[…] Tendenz des Grabens, des Abstiegs zum Mittelpunkt der Erde mit ihren Schätzen, zu unterirdischen Strukturen der Kommunikation […]“ erkennt.

Der Eingang in dieses Museum erfolgt vom Hof des Bürgerspitals auf der Ebene der Stadt und führt in eine Unterwelt mit schachbrettartig angeordneten Ausstellungsräumen. Spektakuläres Herzstück der Anlage bildet ein aus dem Fels geschürfter, zum Plateau des Mönchsbergs sich trichterförmig weitender Raum. Ihn bekrönt eine flache, gläserne Kuppelschale. Über sie fällt natürliches Licht ins Innere – und vertreibt das Dunkel der Höhle. Auf der Ebene des Mönchsberg-Plateaus sollte in einer natürlichen Senke eine lanzettförmige Ausstellungshalle für Wechsel-ausstellungen entstehen. Der im Holleinschen Entwurf mittels Rampen, Treppen und Podesten, die in die Bergwand eingekerbt sind, phantastisch inszenierte Hohlraum paraphrasiert genial die Rotunde im New Yorker Guggenheim Museum von Frank Lloyd Wright. Der Wettbewerb – er sollte eigentlich Entwürfe für das Salzburger Landesmuseum bringen – wies über den regionalen Kontext weit hinaus. Über Vermittlung des Kardiologen Felix Unger wurde Holleins Projekt an die Solomon R. Guggenheim Foundation herangetragen und fand in dessen damaligem Direktor, Thomas Krens, einen glühenden Verfechter. Die Idee scheiterte nicht zuletzt an der Uneinigkeit der Salzburger Politik und gilt heute noch vielen als die verspielte Chance schlechthin. Die Debatte in Salzburg bereitete schließlich den Boden für das Projekt von Frank O. Gehry im nordspanischen Bilbao. Dessen Erfolg hat unseren Wortschatz seither um einen Begriff bereichert: Bilbao-Effekt.

Eduardo Souto de Moura, Hotel in der Riedenburg, 1985

Nachdem der Plan, eine Zentralgarage auf dem Ford-Schmidt-Gelände zu errichten, von einer Bürgerinitiative verhindert wurde, wollte man das Areal an einen Hotelbetreiber veräußern. Planungsstadtrat Johannes Voggenhuber verlangte wie üblich einen Wettbewerb. Das Siegerprojekt blieb – wie so oft – auf der Strecke.

Jahre später schildert der Architekt Eduardo Souto de Moura, der aus Porto stammende Sieger des Wettbewerbs, seine Erfahrungen: „Ich lernte Thomas Bernhard in Salzburg kennen – nicht persönlich, aber unter ganz besonderen Umständen. Ich hatte einen Wettbewerb für ein Hotel in Salzburg gewonnen, am Fuße jenes Berges, wo die Leute sich in den Tod stürzen, der Mönchsberg. Deshalb reiste ich viel nach Salzburg. […] Dann wurde dieses Projekt geändert, ohne mein Wissen, und nachdem ich davon erfahren hatte, führte ich einen Prozeß vor Gericht. Deshalb stellte man mir eine Über-setzerin für Portugiesisch zur Seite, die mit der Sekretärin von Thomas Bernhard befreundet war. Ich fand dieses Verfahren sehr seltsam in einem zivilisierten Land wie Österreich, und es befremdete mich, wie man mich behandelte. Dasselbe hatten sie mit Architekten Siza Vieira gemacht, der das Casino von Salzburg gewonnen hatte. […] Und diese Übersetzerin, mit der ich sprach, erklärte mir: ‚Aber wenn Sie das Nachkriegsösterreich und Salzburg verstehen wollen, das ist nämlich eine ganze besondere Gegend, müssen Sie Thomas Bernhard lesen.’ […] Als ich die Bücher las, habe ich angefangen […] zu verstehen, was mir widerfahren war, dass es ein absolut ungerechtfertigter Prozeß war, ein Betrug. Und genau so, durch die Beschreibungen Salzburgs von Thomas Bernhard, begann ich zu begreifen, dass es dort ein belastendes Problem gab, für das es wohl einen Grund gab.“

Die Kränkung, die aus diesem Text spricht, zeigt, wie Salzburg seinen Ruf beschädigt. Pritzker-Preisträger Souto de Moura wurde noch ein zweites
Mal zu einem Wettbewerb nach Salzburg geladen. Sein zurückhaltendes Konzept für den Umbau der Sternbrauerei, nur einen Steinwurf vom Hotelprojekt entfernt, fiel bei der Jury aber durch. Salzburg war ihm auch dieses Mal nicht gewogen.

Juan Navarro Baldeweg, Kongresshaus, 1992

Der Neubau für ein Kongresshaus zählt zu den bittersten Momenten der jüngeren Planungsgeschichte Salzburgs. Der Vorgängerbau entstand zwischen 1953 und 1957 nach Plänen des Holzmeister-Schülers Eugen Wörle. Wie das unmittelbar benachbarte, im „Espresso-Stil“ errichtete Parkhotel Mirabell wich er einem mittelmäßigen Neubau, während man das Projekt von Juan Navarro Baldeweg schubladisierte.

Im Juli 1992 verkündete Bürgermeister Dr. Harald Lettner, dass man bis zu 120 Millionen Österreichische Schilling (€ 8 721 000,-) in ein neues Kongresshaus stecken wolle, um „Salzburgs Ruf als Kongreßstadt zu festigen“. Überaus hochkarätig waren die Teilnehmer des ausgelobten Wettbewerbs, darunter Fumihiko Maki, Hilmer & Sattler, Bernhard Tschumi, Massimiliano Fuksas, Henri Gaudin und Elsa Prochazka. Die Salzburger Architekturbüros von Franz Fonatsch, Schmidsberger/Knall und Friedrich Brandstätter ergänzten die Schar der Teilnehmer. Brandstätters Projekt wurde vom Vorsitzenden der Jury, Hans Hollein, besonders gelobt und erhielt einen Anerkennungspreis. Das sollte noch Folgen haben. Unangefochten zum Sieger erklärt wurde aber der „Stern mit glänzender Haut aus Metall“ von Juan Navarro Baldeweg aus Spanien.
Baldewegs Entwurf löste ein schon beim alten Kongresshaus vorhandenes Problem: Indem er das Erdgeschoß an der Rainerstraße zurückspringen lässt, schafft er Platz für ein repräsentatives Entree. Aber nun wurde lanciert, das Vorhaben sei zu teuer, und der glitzernde Komet zog über Salzburg hinweg. Die kalkulierten Kosten beliefen sich auf 440 Millionen Österreichische Schilling (€ 31 976 000,-), und so zog man das angeblich günstigere und funktionalere Projekt von Brandstätter aus der Schublade. Es kam schließlich – ein einzigartiger Vorgang – zu einer Kampfabstimmung im Gemeinderat. Der mittlerweile neue Bürgermeister Dr. Josef Dechant machte von seinem Dirimierungsrecht Gebrauch und setzte das Projekt von Brand-stätter, dem später ebenfalls übel mitgespielt wurde, durch. Abgerechnet wurde das Projekt im Jahr 2001 mit 587 Millionen Österreichischen Schilling (€ 42 659 000,-), mit damals noch offenen Forderungen belief es sich summa summarum auf 600 Millionen Österreichische Schilling (€ 43 603 700,-), andere Quellen sprechen sogar von 700 Millionen Österreichischen Schilling (€ 50 871 000,-). Um dieses Geld hätte man jedenfalls das Baldeweg-Projekt bauen und das Ziel, den „Ruf Salzburgs als Kongressstadt zu festigen“, auch erreichen können.

Dominique Perrault, Verwaltungsgebäude der Salzburger Sparkasse, 1994

Die asphaltierte Platzwüste westlich des Unfallkrankenhauses (UKH) zählt mit einer aufgelassenen Tankstelle und der einzigen, längst funktionslosen „Drive-In-Bank“ Salzburgs zu den wirklich unansehnlichen Orten der Altstadt. Alle Versuche, diesem Teil des Dr.-Franz-Rehrl-Platzes ein neues Gesicht zu geben, sind bislang gescheitert.

Während das Unfallkrankenhaus bei der Ziehung der Grenzen des Altstadt-erhaltungsgebiets bewusst ausgeklammert wurde, blieb die Vorzone innerhalb der Schutzzone. Seither wird darüber gestritten, was als Bezugs-punkt für die Bebauung des Areals herangezogen werden darf: die diesseits der virtuellen Linie gelegenen, meist gründerzeitlichen Villen oder das im Stadtbild dominante, wenn auch von vielen als baulicher Schandfleck empfundene Spital. Diese ungelöste Frage verhindert eine Bebauung des Areals und führte auch zum Scheitern des 1994 durchgeführten Wett-bewerbs. Der französische Stararchitekt Dominique Perrault setzte sich mit seinem Vorschlag eines niedrigen „Decks“, das mit seiner Oberkante auf die Höhe der Arenbergstraße reicht, gekonnt in Szene. Von der Arenberg-straße sollte man eben auf das hölzerne Dach dieser Plattform treten können. Allerdings verlangte der Auslober – die Salzburger Sparkasse, die hier ihr Verwaltungszentrum errichten wollte – in einer zweiten Wettbewerbsstufe plötzlich eine deutliche Anhebung der Kubatur. Perrault reagierte darauf pragmatisch und setzte auf das vorhandene Volumen, getrennt durch ein Leergeschoß, einen weiteren zwei Geschoße hohen Baukörper, der, an der Seite zum Unfallkrankenhaus auf einer Reihe von Stützen stehend, über den unteren Baukörper auskragte. Die Eleganz des Projekts war damit verflogen, und Perrault selbst äußerte sich in einem späteren Interview dazu kritisch. Die Gegner sprachen von „städtebaulichem Wahnsinn“, vom „Betonmonster“ und trugen in einer von den Boulevard-medien befeuerten Diskussion das Projekt zu Grabe. Jahre später (2001) startete der Bauträger Franz Fürst mit Perrault nochmals einen Versuch, in dem Aspekte des ersten Projekt-ansatzes wieder aufgegriffen wurden. Doch die Luft war draußen. Aktuell plant man erneut auf dem Areal zu bauen – Ausgang: offen.

Entwürfe für eine andere Stadt

Dieses Kapitel behandelt drei grundlegende Motive der Salzburger Planungsgeschichte. Sie lassen sich als Variationen eines Themas definieren, in dem es stets um das Verhältnis eines Teils zum Ganzen geht: das Verhältnis der Stadt zur umgebenden Landschaft, das Weiter-bauen innerhalb der Grenzen der historischen Stadt und die Frage der Ausprägung neuer Stadtbezirke im Verhältnis zum historischen Kern.

Beginnen wir beim letzten Punkt, der moderne Stadtentwicklungsprojekte mit einer anderen Sicht auf die Stadt würdigt, und zwar anhand von zwei Projekten: Das eine stammt von keinem Geringeren als Lois Welzenbacher und entstand 1927 für den Wettbewerb zur Verbauung der Aiglhofgründe. Das andere – ein Entwurf des Architekturbüros arbeitsgruppe 4 – ist eine Alternative zur Trabantenstadt Taxham, die nach dem Zweiten Weltkrieg aus dem Boden gestampft wurde. Zwei Mal lagen – an historisch markanten Zeitpunkten – hochinteressante Entwürfe vor, die keine Realisierung fanden. Sowohl im Aiglhof als auch in Taxham entstanden, und zwar in völlig anderen politischen Systemen, Siedlungen mit traditionalistischem Charakter.

Die Thematik des Weiterbauens an der historischen Stadt ist vielleicht die bedeutendste architektonische Herausforderung, die sich in Salzburg stellt. Das von Vertretern eines modernen Städtebaus als Sakrileg eingestufte neobarocke Justizgebäude (1903–09) von Alexander Wielemans markiert in diesem Kontext einen Epochenbruch. Unter Architekten und Vertretern des noch jungen Heimatschutzes entstand die Diskussion über die „richtige“ Einstellung gegenüber dem historischen Stadtbild und über die stilistischen Merkmale einer modernen, für Salzburg typischen Architektur. Interessant daran ist, dass zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Begriffe „Salzburg“ und „Moderne“ nicht als Gegensatz empfunden wurden, ganz im Gegenteil. Publizisten wie Joseph August Lux oder Architekten wie Martin Knoll setzten sich mit Erfolg gegen das sklavische Nachahmen architektonischer Motive von Alt-Salzburger Bauten zur Wehr. Diese differenzierte Suche nach einer modernen Typologie der Salzburger Architektur wurde spätestens mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten beendet. Das Misstrauen geht in Salzburg schließlich so weit, dass – dies wird exemplarisch am Projekt für die Wohnbebauung im Bärengässchen (1986) dargestellt – jeder Neubau, gleich welchen Charakters, als Anschlag auf die Altstadt verstanden wird. Diese Haltung sieht in der Stadt ein Museum – und opfert dem Tourismus eine belebte, von Bürgern bewohnte Stadt.

Ein nicht minder wichtiger Topos der Salzburger Planungsgeschichte ist der der Landschaft. Hans Sedlmayr hat mit seiner Streitschrift Stadt ohne Landschaft die Losung für die Bürgerbewegung ausgegeben, die die geplante Bebauung an der Hellbrunner Allee, von Leopoldskron und Freisaal verhinderte. Heute sind diese und andere Grünbereiche durch die „Grünlanddeklaration“ für immer geschützt. Im Zusammenhang mit den Problemen der damaligen Projekte sollte auch in Erinnerung gerufen werden, dass der Widerstand gegen die Verbauung zu keinem umfassenden Leitbild für die Stadtentwicklung geführt hat.

Gespräch „Mein (un)gebautes Salzburg“ 20. Mai 2015, 18.30 Uhr

Johannes Voggenhuber, ehemaliger Planungsstadtrat, im Gespräch mit Dietmar Steiner, Direktor Architekturzentrum Wien
Moderation: Cay Bubendorfer (Kulturredakteurin, InfoZ der Stadt Salzburg)

Veranstaltungsort: Museum der Moderne, Mönchsberg 32, 5020 Salzburg

In diesem Gespräch werden unrealisierte Projekte besprochen aus der Zeit von Planungsstadtrat Johannes Voggenhuber, der 1983 mit der Installierung des Gestaltungsbeirates in Salzburg die Architekturreform einleitete. So scheiterten in dieser Zeit so prominente Entwürfe wie der von Alvaro Siza für den Umbau des Cafe Winkler, von Souto de Moura für das Hotel in der Riedenburg oder von Wilhelm Lankmayer für die Wohnbebauung Bärengässchen. Alle diese Entwürfe werden in der Ausstellung Ungebautes Salzburg dargestellt.

Dietmar Steiner ist seit 1994 Direktor des AzW (Architekturzentrum Wien); er studierte Architektur an der Akademie der bildenden Künste Wien und war langjähriger Mitarbeiter von Friedrich Achleitner beim Standardwerk Österreichische Architektur im 20. Jahrhundert. Dietmar Steiner war Kurator des österreichischen Beitrags bei der der 8. Architekturbiennale in Venedig und ist einer der profundesten Kenner der österreichischen und der internationalen Architekturszene.
Mit Salzburg und mit Johannes Voggenhuber verbindet ihn unter anderem die Publikation/Ausstellung: Das Salzburg-Projekt: Entwurf einer europäischen Stadt. Architektur – Politik – Öffentlichkeit / [Hrsg.: Dietmar Steiner] aus dem Jahr 1986. Die Ausstellung im Stadtkinosaal vermittelte die ersten Ergebnisse der von Stadtrat Johannes Voggenhuber 1983 eingeleiteten Architekturreform in Salzburg.

Wunibald Deininger / Martin Knoll, Projekt für eine Mirabellplatzverbauung, 1932

Der Mirabellplatz ist unter allen Plätzen in Salzburg wohl jener, der am häufigsten mit Planungen bedacht wurde. Ein einziges, dafür wahrlich grandioses Blatt steht in dieser Ausstellung paradigmatisch für eine nunmehr 150 Jahre währende Geschichte des Scheiterns.

Der Karlsplatz in Wien, so wird der bedeutende Architekt Otto Wagner gerne zitiert, sei mehr eine Gegend als ein Platz. Auch der Mirabellplatz in Salzburg scheint so eine „Gegend“ zu sein. Dabei war er bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts ein durchaus kompakter städtischer Raum. Ein Architekt ragt in der Beschäftigung mit diesem Stadtraum heraus: Wunibald Deininger. Fast obsessiv hat er sich immer wieder mit dem Platz auseinandergesetzt und sich auch publizistisch geäußert. Bereits 1924 errang er mit Martin Knoll bei einem Wettbewerb den ersten und den dritten Preis (zwei Projekte wurden eingereicht). Die Finanzmisere der Stadt verhinderte aber die Umsetzung. 1932 entwickelte Deininger den Plan, den Platz in zwei Segmente zu gliedern. Noch im selben Jahr startete er gemeinsam mit Knoll einen weiteren Anlauf. Es entstand der vielleicht überzeugendste Gestaltungsansatz für den Platz. Die stimmungsvolle Kohlezeichnung vermittelt die Idee, den Vorbereich der Kirche asymmetrisch zu gliedern und so das axiale Korsett, das Andräkirche und Schloss Mirabell vorgeben, zu durchbrechen. Das Projekt wurde jedoch nicht realisiert, nicht zuletzt wegen teils unsachlicher Kritik. Der Stadtverein lehnte die „absolut unzureichend durchgearbeiteten Verbauungspläne“ ab.

Gegenwärtig macht es wenig Sinn, über Hochbauten am Mirabellplatz nachzudenken, obwohl es dazu immer wieder Anläufe gab.

 

LASCH – Wilhelm Lankmayer / Hans Schmidt, Wohnbebauung Bärengässchen, 1985

Zeitgenössische Architektur im historischen Kontext der Salzburger Altstadt – ist das möglich und erlaubt? Über diese Frage entwickelte sich Mitte der 1980er-Jahre in Salzburg ein heftiger Streit, dem auch dieses Projekt zum Opfer fiel.

Erstmals, so wurde damals verkündet, sollte in der Altstadt von Salzburg ein „moderner“ Neubau entstehen, der sich nicht historisierend der Umgebung anpasst. Nun, bei der in diesem Zusammenhang zitierten Moderne handelte es sich um stilechte Postmoderne, dennoch ist der Versuch, zeitgemäßen Wohnraum in der Altstadt zu schaffen, hoch zu schätzen. Johannes Voggenhuber, neu ins Amt gewählter Planungsstadtrat, sprach in den Salzburger Nachrichten sogar „von der besten bisher in der Salzburger Altstadt vorgelegten Planung“. Und selbst die Kronenzeitung titelte überschwänglich: „Erstmals paßt neues Haus in alte Umgebung.“ Aber das Blatt wendete sich rasch. Das Bauvorhaben mit zwölf Wohnungen wurde in den Mühlen einer hochexplosiven Debatte zerrieben. Die schärfste Front gegen das Projekt entstand innerhalb der Bürgerliste selbst. Gemeinderat Herbert Fux entfachte eine Grundsatzdebatte und avancierte zum größten Kritiker seines Parteifreundes Voggenhuber; er erklärte, dass „Neubauten im Altstadtbereich – ungeachtet ihrer architektonischen Qualität – unpassend seien und damit per se dem Fremdenverkehr schaden“. Fux, der sonst immer die Auswüchse des Tourismus anprangerte, plädierte nun für den Kauf der Fläche samt Umwidmung in Grünland. Als sich abzeichnete, dass der politische Widerstand das Projekt zu Fall bringen würde, bot der Bauträger der Stadt die Liegenschaft zum Preis von 20 Millionen Österreichischen Schilling an (€ 1 453 456,-). 1986 kaufte die Stadtgemeinde schließlich das Areal um die Hälfte der Summe und widmete es in Grünland. Sechs Jahre zuvor hätte sie die Fläche inklusive dreier Altstadthäuser noch um schlanke 5,9 Millionen Österreichische Schilling (ca. € 429 000,-) erwerben können. Mit dem Ankauf der Fläche hat die Stadt das gemacht, was sie im Allgemeinen nie tut, nämlich aktive Bodenpolitik. Die ungenutzte Wiese kann heute noch jeder besichtigen. Die Vereitelung des Projekts war ein Signal gegen die Altstadt als Wohnraum und bestärkte den Tourismus als beherrschenden Wirtschaftsfaktor.

 

maria flöckner und hermann schnöll, Adaptierung des Kapitelsaals / Besucherzentrum für die Festung Hohensalzburg, 2009–13

Der Versuch der Adaptierung des Kapitelsaals zeigt, wie schwierig es ist, innovative Projekte in der Altstadt von Salzburg zu realisieren, selbst bei derart bescheidenen Dimensionen wie in diesem Fall.

Der Kapitelsaal ist ein Veranstaltungsraum der Erzdiözese, der bauhistorisch gesehen keine besondere Bedeutung hat. Entstanden ist er Anfang der 1970er-Jahre, übrigens unter massivem Abbruch damals noch vorhandener Bausubstanz, nach Plänen des Salzburger Architekten Otto Prossinger. Das Bauamt der Erzdiözese lud 2009 mehrere Architekten zu einem Wettbewerb, um Ideen für die Neugestaltung des unattraktiven, selbst unter Salzburgern kaum bekannten Saals zu erhalten. Das Architekturbüro maria flöckner und hermann schnöll legte ein mutiges Konzept vor, das auch den Verantwortlich-en gefiel. Es sah vor, die seitliche Wand zur Bierjodlgasse zu öffnen, um den in der Bedeutungslosigkeit versunkenen Saal stärker ins Blickfeld zu rücken. Dieses Ansinnen fand bei der Altstadterhaltungs-kommission allerdings keinen Anklang. Sie verlangte die Reduktion des Glasanteils und beharrte auf der „Wandhaftigkeit“ der Mauer, die es historisch in dieser Form gar nicht gegeben hatte. Sie ist eine – wenn auch gekonnte – Prossingersche Erfindung.

Nach einem über Jahre geführten Diskussionsprozess verabschiedeten sich die Architekten von ihrem Ansatz, der den Saal transparenter gemacht hätte. Sie schlugen nun vor, die Wand in einem kleinen Bereich zu durchtrennen, so den Saal freizustellen und ihn mit einem Vorplatz zu versehen. Dabei orientierten sie sich an alten Stadtansichten und konnten nachweisen, dass ursprünglich die Häuser in diesem Bereich der Stadt frei standen, also die Situation viel durchlässiger war, als sie es heute ist. Als Nutzung war nun nicht mehr ein Theater, sondern ein Besucherzentrum für die Festung Hohensalzburg vorgesehen. Diesem Konzept stimmten selbst die strengen Altstadtschützer zu. Doch die Erzdiözese zog das Projekt zurück. Die Chance, den Saal samt dem Standort aufzuwerten, wurde verspielt.

 

Friedrich Kurrent, Wohnbebauung Salzburg-Süd, Wettbewerbsplan und Modell, 1971/72

Der Kampf um die Landschaftsräume im Süden Salzburgs zählt längst zum Mythos der jüngeren Stadtgeschichte. Ein differenzierter Blick darauf wäre für die Zukunft der Stadt dennoch wichtig.

Hans Sedlmayr, Kunsthistoriker und wortmächtiger Gegner der Verbauung zeichnet in seinem Buch Stadt ohne Landschaft ein verheerendes Bild der Planungen: „Ausgerechnet zu seitens der Lebensader (i. e. die Hellbrunner Allee) des paradiesischen Tales wird ein Gebiet größter Wohnungsdichte geplant.“ Es sollen bis zum Jahr 1985 bereits „37 000 Einwohner und 3 000 Erwerbstätige“ angesiedelt sein. Und er schreibt auch gleich, wie das ausschauen wird: „Das bedingt jedenfalls eine städtische, ja großstädtische Verbauung mit Wohnblocks […]. Im Abstand von 100 Metern rechts und links von der Allee, auf vier Fünfteln der Länge, würden sich Wohnblocks reihen, ungefähr von der Art wie die der sogenannten ,Rennbahnsiedlung‘.“

Zugegebenermaßen war die Vorstellung abschreckend, und sie hat ihre Wirkung nicht verfehlt. Der aus Salzburg stammende Architekt Friedrich Kurrent gibt eine etwas andere Einschätzung der Lage: „1971/72 beteiligte ich mich am zweistufigen Wettbewerb für die Wohnanlage ,Salzburg-Süd‘ in einer äußerst empfindlichen Gegend nahe der Hellbrunner Allee, die ich von meiner Jugendzeit her gut kannte. Ich versuchte dem Charakter und Maßstab des von Bergen gefassten südlichen Landschaftstrichters von Salzburg gerecht zu werden. […] Wasserflächen, Bäche, Wiesen, Wald- und Baumbestand sollten zusammen mit den vorhandenen und neuen Bauten eine Verschmelzung von Natur und Architektur erreichen. Ich versuchte mit der Wohnanlage möglichst niedrig zu bleiben – mit nur drei Geschoßen und einzelnen turmartigen Aufbauten darüber. Das Projekt wurde zwar mit dem ersten Preis prämiert, fiel aber einer Bürgerinitiative zum Opfer, die sich noch während der Wettbewerbslaufzeit um den Kunsthistoriker Hans Sedlmayr formierte.“ Kurrent hat auf dem Wettbewerbsplan auch die geplante Süd-tangente, die er als falsch empfand, eigenhändig ausgestrichen. Die Stadt Salzburg belegte schließlich das Siedlungsstück mit einem Bauverbot und widmete es in Grünland. Nicht verhindert wurde damit, dass, wie Kurrent später feststellte, „an der Alpenstraße in der Zwischenzeit ziemlich alles voll gebaut [wurde].“

Festspielhäuser

Als der britische Komponist und Musikverleger Vincent Novello und seine Frau Mary auf ihrer „Mozart Pilgrimage“ 1829 nach Salzburg kamen, wies im öffentlichen Raum nichts auf den bedeutendsten Sohn der Stadt hin. Erst 1842 wurde das Mozartdenkmal eingeweiht, und 1856, anlässlich des 100. Geburtstags von Wolfgang Amadeus Mozart, forderte man erstmals die Erbauung eines Gebäudes für musikalische Zwecke, genannt Mozarteum.

1887 sprach sich der Dirigent Hans Richter für Mozart-Festspiele aus. Wie Wagner in Bayreuth sollte Mozart ein Festspielhaus in Salzburg bekommen. Mit der Planung wurden Ferdinand Fellner und Hermann Helmer beauftragt. Die Großarchitekten des Theaterbaus lieferten einen Entwurf im Stil der Neorenaissance, der auf dem Mönchsberg realisiert werden sollte.

1917 verfasste Max Reinhardt – neben Hermann Bahr, Hugo von Hofmannsthal und Richard Strauss die zentrale Gründungsfigur der Salzburger Festspiele – die Denkschrift zur Errichtung eines Festspielhauses in Hellbrunn. Er sehnte sich nach Festspielen „[…] abseits vom Alltags-leben und an einem Orte, der durch natürliche und künstlerische Schönheit so ausgezeichnet erscheint, dass die Menschen in den sommerlichen Ruhetagen, befreit von ihren Sorgen und Mühen, gern hinpilgern.“
Der junge Salzburger Architekt Martin Knoll schlug 1918 hingegen ein Festspielhaus auf dem Bürglstein vor, das er im Künstlerhaus der Öffentlichkeit vorstellte. Hermann Bahr wiederum wollte Henry van de Velde für den Bau eines Festspielhauses gewinnen. 1920 schließlich schrieb die Festspielhaus-Gemeinde einen Wettbewerb aus, zu dem Josef Hoffmann, Wunibald Deininger und Hans Poelzig geladen waren. Für Poelzigs Projekt wurde 1922 im Beisein des Bundespräsidenten Dr. Michael Hainisch im Schlosspark von Hellbrunn noch der Grundstein gelegt. Reinhardt soll sich nach dem Festakt mit den Worten „So. Das kommt nun niemals zustande“ verabschiedet haben. Eduard Hütter adaptierte schließlich im Jahr 1925 die 1841 errichtete Winterreitschule für die Festspiele. Ein Jahr später baute Clemens Holzmeister dieses Haus um und erweiterte es in den Jahren 1937/38. Den Nationalsozialisten war es ein Dorn im Auge; sie träumten von einer Akropolis aus Gauhalle, Kaderschule, Freiluftarena für Auf-märsche und Festspielhaus auf dem Kapuzinerberg. Diese Anlage samt dem gleichzeitig auf dem Mönchsberg geplanten Armeekommando hätte Salzburgs Stadtbild auf immer zerstört.

Bereits 1949 wurde ein Wettbewerb für ein Haus der Musikolympiade auf dem Mönchsberg ausgeschrieben, an dem sogar Clemens Holzmeister teilnahm. Ein Jahr später legte er einen Entwurf für ein großes Festspielhaus auf dem Rosenhügel vor, welcher gerade wieder einmal zur Grundsteinlegung reichte.Eine echte Spielstätte für Mozarts Opern – also ein Haus, das die Dimensionen der Mozartzeit mit 700 bis 800 Sitzplätzen nicht übersteigt – hat Friedrich Kurrent vorgeschlagen; gebaut wurde es nicht.

Karl Freiherr von Schwarz, Plan für die Erweiterung der Stadt Salzburg, 1862

Als der britische Komponist und Musikverleger Vincent Novello und seine Frau Mary auf ihrer „Mozart Pilgrimage“ 1829 nach Salzburg kamen, wies im öffentlichen Raum nichts auf den bedeutendsten Sohn der Stadt hin. Erst 1842 wurde das Mozartdenkmal eingeweiht, und 1856, anlässlich des 100. Geburtstags von Wolfgang Amadeus Mozart, forderte man erstmals die Erbauung eines Gebäudes für musikalische Zwecke, genannt Mozarteum.

1887 sprach sich der Dirigent Hans Richter für Mozart-Festspiele aus. Wie Wagner in Bayreuth sollte Mozart ein Festspielhaus in Salzburg bekommen. Mit der Planung wurden Ferdinand Fellner und Hermann Helmer beauftragt. Die Großarchitekten des Theaterbaus lieferten einen Entwurf im Stil der Neorenaissance, der auf dem Mönchsberg realisiert werden sollte.

1917 verfasste Max Reinhardt – neben Hermann Bahr, Hugo von Hofmannsthal und Richard Strauss die zentrale Gründungsfigur der Salzburger Festspiele – die Denkschrift zur Errichtung eines Festspielhauses in Hellbrunn. Er sehnte sich nach Festspielen „[…] abseits vom Alltags-leben und an einem Orte, der durch natürliche und künstlerische Schönheit so ausgezeichnet erscheint, dass die Menschen in den sommerlichen Ruhetagen, befreit von ihren Sorgen und Mühen, gern hinpilgern.“ Der junge Salzburger Architekt Martin Knoll schlug 1918 hingegen ein Festspielhaus auf dem Bürglstein vor, das er im Künstlerhaus der Öffentlichkeit vorstellte. Hermann Bahr wiederum wollte Henry van de Velde für den Bau eines Festspielhauses gewinnen. 1920 schließlich schrieb die Festspielhaus-Gemeinde einen Wettbewerb aus, zu dem Josef Hoffmann, Wunibald Deininger und Hans Poelzig geladen waren. Für Poelzigs Projekt wurde 1922 im Beisein des Bundespräsidenten Dr. Michael Hainisch im Schlosspark von Hellbrunn noch der Grundstein gelegt. Reinhardt soll sich nach dem Festakt mit den Worten „So. Das kommt nun niemals zustande“ verabschiedet haben. Eduard Hütter adaptierte schließlich im Jahr 1925 die 1841 errichtete Winterreitschule für die Festspiele. Ein Jahr später baute Clemens Holzmeister dieses Haus um und erweiterte es in den Jahren 1937/38. Den Nationalsozialisten war es ein Dorn im Auge; sie träumten von einer Akropolis aus Gauhalle, Kaderschule, Freiluftarena für Auf-märsche und Festspielhaus auf dem Kapuzinerberg. Diese Anlage samt dem gleichzeitig auf dem Mönchsberg geplanten Armeekommando hätte Salzburgs Stadtbild auf immer zerstört.

Bereits 1949 wurde ein Wettbewerb für ein Haus der Musikolympiade auf dem Mönchsberg ausgeschrieben, an dem sogar Clemens Holzmeister teilnahm. Ein Jahr später legte er einen Entwurf für ein großes Festspielhaus auf dem Rosenhügel vor, welcher gerade wieder einmal zur Grundsteinlegung reichte.Eine echte Spielstätte für Mozarts Opern – also ein Haus, das die Dimensionen der Mozartzeit mit 700 bis 800 Sitzplätzen nicht übersteigt – hat Friedrich Kurrent vorgeschlagen; gebaut wurde es nicht.

Jabornegg & Pálffy, Jedermann-Bühne, mobile Überdachung des Domplatzes, 2004

Der Theaterpublizist Andres Müry nannte den „Jedermann“ die „Cash-Cow“ der Salzburger Festspiele. Das Stück, das seit 1920 auf dem Domplatz aufgeführt wird, zählt zu den erfolgreichsten Produktionen der Theater-geschichte. Sitzplätze sind teils auf Jahre ausgebucht. Der Ort hat nur ein Problem: das Salzburger Wetter.

Für den nicht seltenen Fall, dass es aus Kübeln schüttet, muss für die Aufführungen des Jedermann stets das Große Festspielhaus als Ersatz-spielort freigehalten werden – eine kostspielige Sache. Deswegen lancierten die Festspiele Anfang 2000 eine Faltkonstruktion, deren kolportierte Kosten von günstig dargestellten 1,5 Millionen Euro ein Sponsor tragen sollte. Nicht ganz klar war, von welchem Projekt man sprach, denn es buhlten damals gleich zwei Entwürfe um die Gunst der Entscheidungsträger: das vom Linzer Architekten Wolfgang Kaufmann vorgestellte „Cabrio für Jedermann“ und die hier präsentierte Überdachung von Jabornegg & Pálffy.

Die Wiener Architekten hatten ein sehr einfaches und in Oberammergau bereits erprobtes Konzept. Ihre Überdachung in der Höhe des ersten Hauptgesimses der Domfassade überragt die angrenzenden Gebäude des Platzensembles, sodass ein nicht einengender Abschluss nach oben entsteht. Das Dachfaltwerk kann auf Schienen in die Parkposition an der Wand des Hofbogengebäudes geführt werden. Bei Schlechtwetter, aber auch zur Beschattung bei tief stehender Abendsonne kann die einer Zieh-harmonika vergleichbare Konstruktion ausgefahren werden. Wenngleich der Ansatz von Jabornegg & Pálffy durchaus machbar erschien, so blieben doch wesentliche Fragen ungeklärt. Der Jedermann am Domplatz lebt vom Spiel unter freiem Himmel, und wie das Festspielhaus kein adäquater Ersatz dafür ist, so ist es auch der überdachte Domplatz nicht. Die Verantwortlichen haben das rechtzeitig erkannt und das Projekt ad acta gelegt.

Friedrich Kurrent, Haus für Mozart im Bruderhof, 1996–2000

Friedrich Kurrent griff die Idee, die Festspiele in der rechten Stadthälfte zu etablieren, mit seinem Entwurf für ein Haus für Mozart auf dem Areal des Bruderhofs wieder auf. Er bot eine Alternative zur Fixierung der Festspiele auf den Bezirk in der Hofstallgasse an.

Die Diskussion um ein eigenes Haus für Mozart, das Salzburg in der Pflege seiner Musik eine Vorrangstellung verleihen sollte, wurde im Vorfeld des Mozartjahrs 2006 (250. Geburtstag) geführt. Bereits 1996 veranstalteten die Salzburger Nachrichten ein Symposium, bei dem Rolf Liebermann, Mozartexperte, Komponist und ehemaliger Opernintendant, ein kleines, 700, maximal 800 Sitzplätze fassendes Opernhaus aus Holz forderte. Dieses ideale Haus dürfte die Dimension der Opernhäuser der Mozartzeit nicht überschreiten und sollte selbst ein Klangkörper sein. Kurrent verband dieses Konzept mit der eingangs erwähnten Überlegung und fand im sogenannten Bruderhof beim St.-Sebastians-Friedhof den idealen Ort dafür. Sein Entwurf, der auf eine aufwändige Bühnentechnik verzichtet, orientiert sich an der Form des menschlichen Ohrs. Gemäß dem Liebermannschen Diktum ist es ein Holzbau. Dieser spartanische Klangkörper stellt die Musik vor effektvolle Inszenierungen von Mozarts Opern.Letztlich baute Wilhelm Holzbauer das Kleine Festspielhaus zum Haus für Mozart um. Anstatt der 800 weist der termingerecht 2006 eröffnete Bau stolze 1 500 Sitzplätze auf. Die wirtschaftlichen Interessen eines industrialisierten Kulturbetriebs haben über die Einfachheit und selbst über die Substanz des von Clemens Holzmeister geplanten Hauses triumphiert.

Clemens Holzmeister, Ein Musiktheater am Rosenhügel, 1950

In der unmittelbaren Nachkriegszeit verfolgte der Schriftsteller Hermann Heinz Ortner das Projekt weltweiter Musikwettkämpfe. Wenn auch dieses reichlich absurde Vorhaben scheiterte, so nährte es indirekt die Überzeugung, dass die Festspiele einen großzügigen Theaterneubau für den gewachsenen Betrieb brauchten.

Ortner war bereits 1933 der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) beigetreten und galt nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs als politisch schwer belastet. Als Mitarbeiter der Stelle für Wiederaufbau der Fremdenverkehrswirtschaft Österreichs und mit hohen Geldbeträgen der Stadt Salzburg unterstützt, gelang es ihm, höchste politische Kreise für seine Idee einer „Musikolympiade“ zu begeistern. Ein monströser Theaterbau mit 3 000 Plätzen sollte auf dem Mönchsberg entstehen. Neun Architekten, darunter Clemens Holzmeister, folgten Ortners Einladung und stellten Projekte für ein Leser-Preisausschreiben zur Verfügung, die in seiner Zeitschrift Olympia 1950 publiziert wurden. Die geplante Mönchsberg-verbauung lieferte in Salzburg, wie der Publizist Paul Becker berichtet, „Zündstoff für heftige Diskussionen“, sodass Ortner noch im selben Jahr vorschlug, das Haus der Musikolympiade am Rosenhügel, anstelle des durch Bomben zerstörten Kurhauses, zu errichten. Er erhielt noch im selben Jahr vom Unterrichtsministerium den direkten Auftrag für die Planung eines großen Musiktheater-Komplexes. Wieder einmal wurde ein Grundstein gelegt, den man später diskret entfernte.

Holzmeister selbst beschrieb diesen Entwurf als die Summe seines Wissens aus dem Theaterbau. Die Ansicht des Bühnenhauses lässt an Vorbilder aus dem byzantinischen Kirchenbau denken und erscheint als Reminiszenz an seine Türkei-Aufenthalte. Als kalkulierte Inszenierung sollte man die drei Portale an der Hinterbühne des Hauses öffnen können, sodass sich für das Publikum der berühmte Postkartenblick auf Mirabellgarten, Altstadt und Festung eröffnet hätte. Letztlich war das Projekt eine Art Vorspiel für Holzmeisters Umbau der Hofstallungen zum Großen Festspielhaus (1956–60). Bemerkenswert ist, dass alle Projekte, sei es auf dem Mönchsberg, am Bürglstein, in Hellbrunn, auf dem Kapuzinerberg oder eben dem Rosenhügel, scheiterten. Nicht der Bezug zur Natur, sondern die „Stadt als Bühne“ hat sich als Konzept durchgesetzt.

Martin Knoll, Festspielhausprojekt, ca. 1921

Mit gerade einmal dreißig Jahren legte Martin Knoll, der einer Baumeister-Dynastie entstammte, den Entwurf für ein Festspielhaus am Bürglstein vor und präsentierte die Pläne 1918 im Salzburger Künstlerhaus.

Der junge Martin Knoll, der in München studiert hatte und zur Schule Otto Wagners in Wien Kontakte knüpfte, ist in seinem ersten akademischen Entwurf – der hier nicht ausgestellt ist – noch in den Fesseln der Vergangenheit gefangen. Mit dem Bau im Stil des Neoklassizismus denkt der Planer an die Klientel einer Welt von gestern. Es ist aber gar nicht der Entwurf selbst, sondern der ausgewählte Bauplatz, der Interesse erweckt: der Bürglstein. Zu Anfang des 19. Jahrhunderts war der Aussichtspunkt mit Blick auf die Stadt zu einer Pilgerstätte der Romantiker geworden. In dieser historischen Bedeutung des Orts – seiner Nähe bei gleichzeitiger Distanz zur Stadt – erkannte Knoll den idealen Platz für ein Festspielhaus. Eine künstlerische Explosion zeigt ein zweiter, vermutlich um 1921 entstandener Entwurf von Knoll, der in einer einzigen kolorierten Graphik überliefert ist. Er entstand wohl in Konkurrenz zu Poelzigs Entwurf für Hellbrunn. Zwei mächtige Skulpturen brechen mit der Konvention, die Bauplastik der Architektur als dekorative Applikationen unterzuordnen. Aber nicht nur die dominanten Skulpturen, auch die expressionistische Farbigkeit verweisen auf ein Gesamtkunstwerk, das sich in den Dienst der Musik stellt und diese als Höhepunkt der europäischen Kultur feiert.